Sexismus im Alltag – Das Private ist politisch? Der #Aufschrei gilt nicht Brüderle

Ein Gespenst geht um in Deutschland, das vor allem für junge Frauen einen realen Schrecken hat: Sexismus im Alltag und in der Politik im Besonderen. Monarchie und Alltag?

I realized quickly when I knew I should
That the world was made of this brotherhood of man
For whatever that means

Schon die “Vier Nicht-Blonden” haben ihren #Aufschrei hörbar gemacht.:

And so I wake in the morning
And I step outside
And I take a deep breath and I get real high
And I scream from the top of my lungs
What’s going on?

Jetzt ist dieser Aufschrei auch im deutschsprachigen Internet erfolgt, vor allem auf Twitter unter dem Hashtag #Aufschrei – ein Aufschrei vieler Frauen und Mädchen, begleitet von vernünftigen Blogposts einiger Männer – darunter so unterschiedliche Stimmen der Vernunft wie Lasse Becker (“Von Tittenblondinen, dummen Sprüchen und Sexismus”, Julis) und Jörg Rupp (“Bin ich auch so einer?“, Grüne). Beide sind sich einig dass Alltäglicher Sexismus in der Politik etwas Alltägliches ist und dass es schwer ist alles richtig zu machen.

Auslöser war ein Bericht von Laura Himmelreich im “Stern” über den laufenden “Herrenwitz” Rainer Brüderle als neuen FDP-Spitzenkandidat und dessen weinseligen Sexismus unangenehmer Anspielung und Annäherung. Natürlich haben viele FDP’ler ihn erstmal in Schutz genommen. Aber relativ rasch wurde klar: Es geht nicht um den “aus der Zeit gefallenen” Brüderle, der noch Anzüglichkeiten des letzten Jahrhunderts verbreitet und eine heute inakzeptable Weltvorstellung verkörpert. Das Problem ist eben nicht nur Sexismus a la Brüderle, sondern die Alltäglichkeit des Sexismus, auch in der Politik. Annett Mieritz hatte bei SPON darüber geschrieben, wie sie mit dem Sexismus von Piraten ein Problem hat und hatte. Auch wenn die Vertreter anderer Parteien rasch und gerne die Artikel über FDP und Piraten verlinkten – das Problem sitzt nicht nur in der Politik, auch wenn wissenschaftlich korrekt darauf hinzuweisen ist, dass es nicht in jedem Mann gleichermassen sitzt (Stefan Schleim kritisierte den Sexismus in der Sexismus-Debatte).

Seximus schadet allen, hat Till Westermayer geschrieben und ich unterschreibe das. Aber während ich letzthin mit Dan Bull vertreten habe, dass wir alle Aaron Swartz sind, steht nun die Frage von Lasse Becker im Raum: Sind wir alle Rainer Brüderle? Oder wie Jörg Rupp fragt: Bin ich auch so einer?

Die andere Seite: Frauen fragten sich: Sind wir alle Laura und Annett, geht es uns nicht genauso? Unter dem Hashtag #Aufschrei berichteten erst Dutzende, dann Hunderte, flankiert von Ignoranz und Ablehnung mancher und eigenen Beiträgen anderer Männer, über Sexismus im Alltag. Ein Hashtag verändert die Sexismus-Debatte, wie die SZ zusammenfasst.

Natürlich finden sich viele, die sagen, auch Männer werden belästigt – aber das ist nicht das Gleiche. Kritische Stimmen finden sich auch bei Frauen, wenn es um die Grenzen geht wo Belästigung anfängt oder wenn es etwa darum geht, dass Frauen selbst nicht zwischen sexueller Belästigung, versuchter oder erfolgter Vergewaltigung und Alltags-Sexismus unterscheiden und alles unter einem #Aufschrei zusammenfassen.  Manche meinen, Frauen müssten sich vielleicht nur organisieren und mit dem hollaback wie in Berlin, wo zum wehren und dokumentieren aufgerufen wird, sei auch schon viel zu erreichen.

Also alles machbar für die Frau von heute, die sich wehren kann? Im Artikel “nun hab dich doch nicht so” zitiert “Frau Elise” aber die Antwort von @MmeCoquelicot darauf:

Es geht nicht darum, dass ich mich nicht wehren KANN. Es geht darum, dass ich es nicht ständig müssen sollte.

Und das ist der Punkt. Wir sind noch weit von diesem satirischen Tumblr-Post zum Verhältnis von Macht bei Journalismus und Politik entfernt.

  • Anmerkung: Alex Schestag weist zurecht auf die systematische Diskriminierung anderer, etwa Behinderter, hin, die für ihn auch Grund zum Aufsachrei ist: “Noch mehr #Aufschrei”

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Erstellt am Samstag, 26. Januar 2013
Kategorie: Deutsch | 1 Kommentar »

Worüber schreibt der eigentlich? Zum Beispiel auf Twitter

Das kleine Werkzeug “Tweetcloud” zeig, worüber ich im Mikroblogging-Dienst Twitter in den letzten sechs Monaten so geschrieben habe: (Tü)bingen ist ganz vorne (vor und nach Umlauten schneidet Tweetcloud leider ab), das zweithäufigste Wort ist jetzt. Mein Schwerpunkt bei Twitter ist also das lokale, das was dort passiert wo ich bin, und das aktuelle, das was eben in diesem Moment passiert. Mein Blog wird oft erwähnt, weil ich per Twitter auf neue Blogeinträge, auch diesen hier, hinweise. Aktuell war und ist was im Kupferbau durch die #unibrennt Proteste passiert und was die Studierenden dort selbst organisiert haben. Auch was in der Partei passiert, etwa im Parteirat, wird von mir beobachtet – und schaut man die Tweetcloud über das ganze letzte Jahr an, mit Europa-Wahl und Kommunalwahl, dann kommt natürlich das Stichwort Wahl weit nach vorne.

Tweetcloud

Ich würde mich freuen, wenn durch diesen kurzen Blogeintrag angeregt, noch mehr als die bisherigen 558 regelmässigen Lesenden (“Follower”) meine Twitter-Beiträge (“Tweets”) weiter verfolgen würden.

Erstellt am Montag, 30. November 2009
Kategorie: Deutsch | Kommentieren »

Schavan und Guttenberg lassen neue Atomgutachten machen – und alle so Yeaahh!

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Und nein, ich erklär’s nicht nochmal von vorn, aber bei Spreeblick steht es ja auch fein erklärt und in den Comments verlinkt. Es gibt auch schon die TShirts dazu. Wichtiger aber: Es gab einen Flashmob dazu, der jede Aussage Angela Merkels und jeden grossen Namen den sie nannte mit einem “Yeaahh!” quittierte. Keine Trillerpfeifen, keine Sprechchöre, nur Jubelperser in höchst ironischer Brechung, mit Piratenfahnen und Anti-AKW Symbolen. Ach, schaut’s Euch selbst an.

Erstellt am Samstag, 19. September 2009
Kategorie: Deutsch, Kurzmeldung, Video | Kommentieren »

Wahlkampfendspurt – 3 Tage wach

Es ist Wahlkampfendspurt in der Europawahl und hier in Tübingen auch im Kommunalwahlkampf. Eine gute Aktion ist dabei “3 Tage Wach” – auf http://www.gruene.de werden alle Fragen zur Grünen Politik und zu Europa beantwortet, auch ich bin online dabei mit meinen Antworten, zum Erneuerbare Energien-Gesetz, zu Handwerkskammern und auch zu den Arbeitsbedingungen der Hungerlöhner.

Die Grünen sind, über die grossartige Aktion hinaus übrigens auch den Rest des Jahres im Internet ansprechbar, bei Facebook oder MySpace, bei WKW oder im VZ, bei Twitter und auf vielen anderen Kanälen. Und jetzt bis zur Schliesung der Wahllokale auch noch telefonisch unter 030/28442-180

Im Rahmen der Idee Global denken, lokal handeln bin ich aber nicht nur in Berlin dabei Fragen zu beantworten, sondern auch in Tübingen wenn Fragen unter http://www.waehlt-al-gruene.de/sag-was-du-willst/ kommen werde ich mich bemühen, diese zeitnah Tag und Nacht zu beantworten. Ab 10 Uhr ist an diesem Samstag jetzt ansonsten das Wahl-Abschlussfest auf dem Marktplatz in Tübingen, wo die Grünen KandidatInnen auch ganz direkt ansprechbar sind.

Von 14:30 bis 21 Uhr folgt die Literarische Weltreise durch Tübingen und am Sonntag freuen wir uns ab 17 Uhr in der Gaststätte Alt-Tübingen über einen gelungenen Wahlkampfabschluss mit der Wahlparty zur Europawahl. Am selben Ort, auch in der Haaggasse 10, feiern wir Montag Abend dann die Kommunalwahlergebnisse und freuen uns mit Ihnen und Euch auf die nächsten Jahre Tübinger Politik, in der Grün Wirkt! [ siehe auch Grün Wirkt! ]


Erstellt am Samstag, 6. Juni 2009
Kategorie: Deutsch, Kurzmeldung, Video | 1 Kommentar »

Geburtstag 2.0

Gestern hatte ich ja Geburtstag – für mich Gelegenheit, einmal eine kleine Statistik zu machen, auf welchen Kommunikationswegen (ausser dem direkten Gespräch, Händeschütteln und Umarmungen, wie heute nachträglich als ich auf Listenplatz 1 der Liste zum Ortschaftsrat von Bebenhausen gewählt wurde) mich Glückwünsche erreicht haben (Update 01.04.):

Offline:

  • Telefon: 2
  • SMS: 1
  • Brief: 1
  • Postkarte: 1
  • Zotter-Schokolade: 1
  • Heliumballon: 1

Web 1.0:

  • eCard: 1 (all-yours.net)
  • Webservices-Gratulationen: 8 (von Bahn.de über Elfster bis Web.de)
  • Persönliche Emails: 1
  • InstantMessenger: 2
  • Forum: 2

Web 2.0:

Was sagt das? Dass Twitter weniger ‘persönlich’ ist oder jedenfalls genutzt wird – mehrere meiner etwas über 300 Twitter-Kontakte haben mit statt dort eben auf Facebook gratuliert. Brief und Telefon spielen eigentlich keine Rolle mehr, auch Firmen gratulieren soweit sie online sind eben jetzt per Email oder auf ihrer Webseite, zum Teil mit Bonusgeschenken oder -Angeboten verbunden. LiveJournal ist als einstiger Schwerpunkt digitaler Grüße aus dem Bild gefallen: Bei einer ähnlichen Kontaktzahl wie im VZ ist die Konversionsrate in Glückwünsche mit 0 absolut abgesackt. Wer-kennt-Wen spielt erwartungsgemäss für mich keine Rolle (dass bei unddu.de überhaupt jemand was schreibt verwundert dagegen) und XING ist nicht das richtige Forum dafür. Foren, das zum Schluss, haben gegenüber vor fünf Jahren (2004) an Bedeutung auch abgenommen, auch wenn ich in mindestens einem noch täglich bin. Insgesamt: Web 2.0 schlägt den Rest locker, Facebook alleine schlägt die anderen Kommunikationswege alle zusammengenommen (wenn man die Werbung abzieht).

Erstellt am Dienstag, 31. März 2009
Kategorie: Deutsch | 1 Kommentar »