Die Europameisterschaft ist vorbei…

Después de algunos años sin ver fútbol en TV...

Die Deutsche Mannschaft hat es, anders als die Türkische und die Russische, ins Finale geschafft und hatte danach das klare Ziel, gegen den Endgegner Spanien nun auch Europameister zu werden. Das Spiel ist vorbei, die EM, die EURO2008 in Österreich und der Schweiz auch. Ein Glückwunsch an den Europameister Spanien. Und ich kann dem Spanier der jetzt zum Dank den Jakobsweg pilgern will auch dazu nur gratulieren – das ist ein grossartiger, europäischer Weg, den ich auch gehe.

Football?! Fussball allerorten Bild: CC psd/FlickR

Etwas Lokal- patriotismus sei mir als Bildungsbürger Braunschweiger Herkunft (meine schulische Bildung jedenfalls ist Braunschweiger Herkunft) noch gestattet, nämlich als Verweis auf die Herkunft des Fussballs in Deutschland: Herr Koch, ein Lehrer für Latein und Griechisch am Braunschweiger Gymnasium MK, ist es gewesen der dermaleinst das Fussballspiel in Deutschland einführte, damit die körperliche Ertüchtigung der jungen Menschen nichtvernachlässigt sondern im spielerischen Wettkampf gefördert werde. (Zu anderen positiven Aspekten siehe hier)

Football fans 1. Bild: CC: celesteh/FlickR

Deutschland ist heute Europameister im Export, Weltmeister wenn man den Export in andere EU-Länder mitrechnet (wie das meist getan wird). In anderen Bereichen aber hinkt Deutschland im europäischen Vergleich hinterher:

* Zum Beispiel bei Frauen in Führungspositionen. Deutschland ist weltweit Schlusslicht bei Frauen in Führungspositionen, noch hinter Saudi-Arabien. Weniger als 10 Prozent der 80.000 Führungspositionen in deutschen Unternehmen sind mit Frauen besetzt. In den hundert größten Unternehmen ist nur eine Frau in führender Position, in den DAX 30 Unternehmen findet sich in den obersten Gremien keine einzige weibliche Führungskraft. (Quelle: Autorenpapier Grüne Marktwirtschaft)

* Zum Beispiel beim Mindestlohn. 20 EU-Länder haben ihn schon, mehrere andere haben Regelungen mit vergleichbarer Wirkung. Nur Deutschland …hat zwar eine Debatte, aber noch keinen flächendeckenden Mindestlohn. Wer das spielerisch angehen und/oder sich mal informieren möchte, kann das bei einem Online-Fussballspiel des Deutschen Gewerkschafts-Bundes DGB tun:Motigo Webstats - Free web site statistics Personal homepage website counter

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Erstellt am Sonntag, 29. Juni 2008
Kategorie: Deutsch | Kommentieren »

Fi-na-le: Gönüllerin Sampiyonu

Zwei Fussballfans in TübingenDas türkische Sommermärchen, das so schön begonnen und zu unvernünftigen Hoffnungen bisweilen Anlass gegeben hatte, ist also vorrüber. Dafür ist die türkische Mannschaft von Fatih Terim “Gönüllerin Sampiyonu”, Sieger der Herzen, geworden und der deutsche Traum geht weiter – was keine Anspielung auf das Lahm-e und stellenweise schlafwandlerische Spiel der deutschen Mannschaft sein soll, bei dem man sich, so ein Komiker hinterher, fragte “ist das noch das Standbild oder schon wieder die deutsche Mannschaft?”

Hürriyet schlagzeilt: “Üzülmeyin. Biz kazandik” – “Seid nicht traurig: Wir haben gewonnen.” Und setzt hinzu: “Yari finalde Almanya’ya kaybettik ama dünyadan alkis aldik” – “Das Halbfinale gegen Deutschland haben wir verloren, aber den Beifall der Welt haben wir gewonnen.”

Ein herzliches “Tesekkürker cocuklar” – “Danke, Jungs” – von Radikal“.

Die Wirtschaftszeitung Referans: “Milli Takim’in direnci ve umudu Türkiye’nin marka olmasini saglar.” – “Der Einsatz und die Hoffnung des Nationalteams hat die Türkei zu einer Marke gemacht.” (Quelle)

Als Phänomen hat dieses Spiel grosse Teile der Bevölkerung erfasst. Ein deutschtürkischer Taxifahrer in Bonn erklärte mir, er wolle dass Deutschland gewinne. Meine Argumentation verstehe er, aber die Fans in der Türkei würden sie nicht verstehen – die verlören den Respekt vor Deutschland, wenn ihre C-Auswahl gegen unsere besten Spieler gewinnen würde. Andere Deutschtürken sahen die türkischen Fans ähnlich kritisch wie ich die deutschen: Zuviel Nationalismus sei nicht gut, befanden sie, auch nicht durch Fussball befördert.

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Ich war am Nachmittag zu einem Gespräch mit Professor Dr. Klaus-Michael Alenfelder, dem deutschen Vertreter des European Anti-Discrimination Council EAC, in Bonn um über mögliches gemeinsames Vorgehen gegen Diskriminierung und für AGG und die volle Umsetzung der EU-Richtlinien gegen Diskriminierung. Fälle gibt es mehr als genug: Wenn etwa bei Bewerbungen ein Mädchen nicht genommen wird weil ihr Name sich Yasmin statt Jasmin schreibt, wenn ein junger Mann, der als Deutschtürke sich von der Sonderschulempfehlung zum qualifizierten Realschulabschluss vorgearbeitet hat, bei der Aufnahmeprüfung für das Abendgymnasium als einer der fünf Testbesten abschneidet aber gesagt bekommt wegen Überfüllung sei für ihn leider kein Platz mehr – dann ist das Diskriminierung. Sie trifft Schwule und Lesben, sie trifft junge Mütter und ältere Männer, und eine junge deutschtürkische Mutter wie Sule Eisele-Gaffaroglu, deren Klage gegen den Arbeitgeber R+V Versicherung Alenfelder vertritt.

Auf der Heimreise im Intercity, im selben Ton in dem der nächste Bahnhof und eine bedauerliche Verspätung angesagt wurde, kam die Ansage: “Meine Damen und Herren, die Türkei hat soeben das 1:0 geschossen.” Kurz darauf dann: “Soeben kam der 1:1 Ausgleich durch Bastian Schweinsteiger.” Im ICE ab Mannheim gab es Public Viewing: eine deutschtürkische Reisegruppe, zum Sommerferienbeginn in Nordrhein-Westfalen unterwegs in den Süden, hatte einen grossen Laptop mit Internetempfang – und der ganze Grossraumwagen verfolgte darauf das Spiel. Ein kleinerer Laptop, eine kleinere Gruppe Zuschauer, im Zug von Stuttgart nach Tübingen, mit dem 2:1 / 2:2 bis zum 3:2 Abschluss bei Wendlingen. Ab da auf jedem Bahnhof “Fi-na-le” mit Hupkonzert, auch in Tübingen, wo das obige Bild entstand. Gemeinsam und friedlich wurde da gefeiert, überschwnglich aber unproblematisch – nicht wie in Dresden wo 30 deutschnationale Fans nacheinander drei Dönerbuden überfielen, demolierten und es zu Verletzten kam. Wie ist es mit Fussball und Gewalt?

Fußball für EntwicklungFussball wird auch für Gewaltprävention eingesetzt, für Völkerverständigung, Globales Lernen und das Training in FairPlay. KickFair ist einer der Namen die dafür stehen, Integration durch Sport und Streetfootballworld zwei andere. Wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich den Aufsatz von Uli Jäger vom Institut für Friedenspädagogik Tübingen (IFT), auch Autor des nebenstehend abgebildten Buches “Fussball für Entwicklung“:

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Erstellt am Donnerstag, 26. Juni 2008
Kategorie: Deutsch | 1 Kommentar »

Türkei und Russland

Zwei Länder, die beide im Westen den Zweifel wecken ob sie denn überhaupt zu Europa gehören würden. Nach dem unerwarteten Sieg der Türkei gestern und dem unerwarteten Sieg Russlands heute besteht zumindest die Gewissheit, dass sie beide im Halbfinale der Europameisterschaft sind und mindestens einer von ihnen rechnerisch auf mindestens dem 3.Platz dieser EM, der EURO2008, landen wird. Noch immer, aber gerade als Inklusionist, würde ich mich freuen, wenn diese beiden das Finale unter sich austragen würden – und damit in der Mitte Europas, oder wenigstens der Mitte der Wahrnehmung auch ganz einfacher EuropäerInnen, ankommen würden. Motigo Webstats - Free web site statistics Personal homepage website counter

Erstellt am Samstag, 21. Juni 2008
Kategorie: Deutsch, Kurzmeldung | 2 Kommentare »

Europameister im Improvisieren

Fans near Hauptwache. Bild CC: Travel Aficionado/FlickR

Den Titel haben nicht die von Jürgen Habermas in der Süddeutschen gelobten Iren, sondern die Elf von Fatih Terim heute Abend im ARD-Kommentar schonmal bekommen. Ob sie weitere Titel bekommen, wie Michael Scharfschwerdt angeregt hatte? War das ein Krimi zum Abschluss… Vorher hatte ich ohnehin keine Zeit: Ich habe heute Abend den Dolmetscher gespielt für ausgestiegene US-Soldaten, die von Irak, Guantano und Afghanistan erzählen wollten. Zu den Veranstaltern gehörten die Tübinger Progressive Americans. Zeugenaussagen des ehemaligen US-Marineinfanteristen James Gilligan gegen den Krieg, gibt es mit deutschen Untertiteln hier. (Der Verlauf war anders als geplant aber nicht weniger wichtig.) Zu dem Anlass kam ich mal wieder ins Schlatterhaus, wo ich mich nicht nur zuhause fühle sondern auch lange zuhause war.

Danach bin ich, mit Henning Zierock von der Gesellschaft Kultur des Friedens (die gerade Jubiläum hatte) und der Tübinger MdB Heike Hänsel, weitergegangen zum 4.Jubiläum des Arabisch-Amerikanischen Dialogs im Deutsch-Amerikanischen Institut DAI – und danach zum Abschluss des Türkei-Spiels zum Halb-Public Viewing auf Grossleinwand ins ‘LittleItaly’, wo ich ab Minute 115 alles mitbekam – und also nichts verpasst habe. Mit allen anderen habe ich mich sehr, erst über das Tor von Semih Şentürk dann über das Endergebnis gefreut – und als es an den Jubelkorso ging, mich ganz umweltbewusst auf das Fahrrad geschwungen und die Klingel betätigt. :-) Und zuhause? Der Freixenet war schon geöffnet und kaltgestellt, ich musste mir nur noch einschenken. :-) Motigo Webstats - Free web site statistics Personal homepage website counter

Erstellt am Freitag, 20. Juni 2008
Kategorie: Deutsch | 3 Kommentare »

Die Türkei als Europameister?

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turkey_flag. Bild: openDemocracy/FlickR

Der von mir erst gerade zitierte Michael Scharfschwerdt hat in der letzten Zeit ein Posting gemacht, das nach dem heutigen Abend fast prophetisch wirken darf: Was wäre, wenn die Türkei Europameister würde?

Wäre es nicht lustig, wenn in Zeiten, in denen die reaktionären Kräfte in der Türkei alles versuchen, um das Rad zurück zu drehen, ausgerechnet die Fussballer das Tor zu Europa aufmachen würden?

Wäre es nicht lustig, wenn ausgerechnet in Zeiten, in denen die Beitrittsverhandlungen zwischen der EU und der Türkei ins Stocken geraten, eine türkische Mannschaft sich die europäische Krone aufsetzen würde? (…) Und wäre es nicht lustig, wenn dann die europäischen Staats- und Regierungschefs und EU-Vertreter alle brav der Türkei zum Europameistertitel gratulieren würden?

Zurecht weist er darauf hin, dass die Türkei auch geographisch gänzlich zu Europa gehört. Das lässt sich auch einfach mit zwei Geraden zeigen: Wer eine Linie den Ural hinunter zieht, die Ostgrenze Europas, und eine Linie von Gibraltar, Sizilien, Malta, Zypern, an der Südküste Europas nach rechts, der findet innerhalb der so entstehenden Grenzen Europas die ganze Türkei – und einen Teil des Kaukasus. Zum Gleichen Ergebnis kam auch eine geographische Komission im Auftrag des Europarats (Geographische Rundschau 59/2007)

Hat die Mannschaft von Fatih Terim europäisches Niveau? Der türkische Nationalkader enthält einige Fussballer aus Mannschaften anderer europäischer Länder: Emre Belözoğlu von Newcastle United, Hamit Altıntop vom FC Bayern München, Tuncay Şanlı vom FC Middlesbrough, Mevlüt Erdinç vom FC Sochaux (Frankreich), Nihat Kahveci vom FC Villareal (Spanien) – Bei anderen Mannschaften sieht es ja ähnlich aus, so dass etwa die englischen Fans sich über Tore von Michael Ballack (FC Chelsea) oder keine Tore für Jens Lehmann (FC Arsenal) freuen können, auch wenn ihre Nationalmannschaft nicht dabei ist. Spätestens wenn bei Spielen zwischen Tschechien und Portugal ein Schalker gegen einen HSV’ler spielt zeigt sich doch, dass die Europäisierung des Fussballs klassische nationale Grenzen relativiert.

Apropos relativiert: Die “Sun” zeigt, dass man bei der Euro 2008 noch andere Dinge sehen kann als bunte Fussballfans. Gesuchte Kriegsverbrecher zum Beispiel, in diesem Fall #4 auf der “Most Wanted” Liste der Nazi Kriegsverbrecher, Milivoj Asner aus Kroatien, verantwortlich als Polizeichef und Gestapo-Mann für Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen, für die Deportation von Hunderten von Juden, ‘Zigeunern’ und Serben in die Vernichtungslager. Ein Mann, der in Klagenfurt ohne Gehstock durch die Strassen flaniert, in Cafés stehen oder sitzen bleibt und die Athmosphäre aufsaugt – und von Interpol gesucht wird. Angeblich war er zu krank um für einen Prozess nach Kroatien ausgeliefert zu werden – aber die Behauptung wird durch diese Bilder relativiert und es scheint, als wäre es jetzt an der Zeit die Auslieferung nachzuholen. Weiterlesen »

Erstellt am Sonntag, 15. Juni 2008
Kategorie: Deutsch | 2 Kommentare »