Nicht nur Trolle: Christoph Hardebusch in der Debatte zum Urheberrecht

Urheberrecht pt.1

Wer sich derzeit zum Thema Urheberrecht äußert, muss schon ziemlich einen an der Waffel haben. Die Atmosphäre ist vergiftet, und es wird so viel Bullshit – von beiden Extrempositionen wohlgemerkt! – abgesondert, dass man eigentlich eine Hazmat Suit braucht, um sich einen Weg durch die Schützengräben der Meinungsvielfalt zu bahnen. Ach ja, feuerfest sollte der Schutzanzug auch gleich sein, weil man auf jeden Fall geflamt wird, egal was man sagt, und wahlweise ein überholte Privilegien reitender Dinosaurier oder ein langfingriger Internet-Nerd ist; vertritt man nicht eine Extremposition, sondern irgendwas dazwischen, also mehr rational als emotional, kann man sogar beides gleichzeitig sein!

Warum also doch was dazu schreiben? Zum einen, und das ist sicherlich der wichtigste Grund, kann man das Feld ja nicht nur denen überlassen, die am lautesten schreien. Prinzipiell sind das ja fast immer diejenigen, auf die man am wenigsten hören sollte (das ist zumindest eine Strategie, mit der man im Regelfall ganz gut fährt). Zum anderen wird die Debatte in weiten Teilen von Menschen geführt, die sich für alles mögliche interessieren, aber nicht für eines: Urheber. (Fairerweise muss ich anmerken: Zum Glück gibt es auch andere Stimmen.)

Persönlich stehe ich irgendwo dazwischen. Ich lebe rein vom Bücherschreiben, bin mit Computern aufgewachsen und habe mich schon in den Vorläufern des Internets getummelt, als man noch Telefonhörer und Akkustikkopler benötigte. Ich werde also gleichzeitig von der fiesen Contentmafia ausgebeutet, ohne die ich aber auch einen weitaus langweiligeren Job hätte; ich muss damit leben, dass man meine Bücher in verschiedener Form umsonst ziehen kann, kann mich darüber aber auch nicht so richtig aufregen. Ich finde die Ebook-Politik der meisten Verlage ziemlich dämlich, engagiere mich bei Crowdfunding, habe schon Autoren von Freeware Geld geschickt als man dafür noch Briefmarken in Umschläge legen musste, habe einige meiner Texte kostenlos auf meine Seite gepackt, bin gespannt auf die neuen Möglichkeiten unseres digitalen Zeitalters und finde es dennoch richtig, dass ich für das, was ich leiste, auch alle paar Monate bezahlt werde (Disclaimer: solange es Menschen gibt, die meine Text gerne lesen). Immerhin besitzen wir zwei Kater, deren Futter irgendwo her kommen muss – denkt denn niemand an die süßen Katzen?

Das Thema Urheberrecht ist ziemlich komplex, so alles in allem, und es wurde schon viel dazu gesagt. Ich werde in nächster Zeit in loser Form meine Gedanken dazu aufschreiben. Man möge mir bitte schon im Voraus das Mäandern verzeihen; ein so weites Feld zu beackern führt bei meiner Arbeitsweise zwangsläufig zu Abschweifungen.

Mit der ersten Abschweifung fangen wir gleich an: digitale Erreichbarkeit. Verdammt noch mal, wir leben im 21. Jahrhundert, uns wurden fliegende Autos und Raketenrucksäcke versprochen, aber ich kann mir nicht einmal simpel und einfach aktuelle TV-Serien aus dem Ausland auf eines meiner vielen abspielfähigen Devices streamen. Warum sind Medienkonzerne oft so beweglich und grazil wie Öltanker? Da liegt Geld auf der Straße, aber niemand bückt sich, um es aufzuheben. Ermöglicht mir doch bitte, euch Geld für eure Werke zu geben. Und gebt mir diese Werke jetzt. Ich kann mir Streams der Webcam der ISS ansehen, aber legal keine Serie, die aktuell im US-Fernsehen läuft?

In eine ähnliche Kategorie fällt auch das Ebook hierzulande. In diesem Augenblick kostet das Ebook zu “Die Trolle” mehr als die gerade erschienene Taschenbuchausgabe. Mir wurde versichert, dass sich das bald ändern wird, aber das sagt mir als Leser doch nur eins: Ebook-Preise sind nicht marktwirtschaftlich kalkuliert, sondern in Relation zu einer für sie vollkommen unerheblichen Größe, nämlich dem Preis der physischen Ausgabe. Was nebenbei zu Preisen führt, bei denen ich mir selbst als Autor die Frage stelle, ob ich mir meine eigenen Ebooks kaufe (Antwort: eins, zum Ausprobieren). Nach grob geschätzt einer Million Gesprächen und Diskussionen zum Thema mit Kollegen und Leuten aus der Branche scheint mir das eine unter Buchmenschen weit verbreitete Meinung zu sein. Bleibt natürlich die Frage: warum ändert das niemand? Antwort: Öltanker.

Liebe Verwerter, verwertet doch bitte. Zeitnah, mit einfachem Zugriff, zu vernünftigen Preisen. Das kann doch nicht so schwer sein?

P.S.: ACTA ist übel. Das sieht jeder vernünftige Mensch auf einen Blick.

tl;dr:

Urheberrechtsdebatte
saugt gewaltig dank Brüllaffen
Eine Grille zirpt

(Nein, ich bin kein guter Haiku-Dichter; aber Lyrik ist ja der neue Rant.)

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2 Kommentare zu “Nicht nur Trolle: Christoph Hardebusch in der Debatte zum Urheberrecht”

  1. WGW schreibt:

    Danke.
    Als Grüner Europapolitiker, der in BaWü auch Netzpolitik mitmacht (und zum selben Parteiflügel gehört wie die kulturpolitische Sprecherin, MdB Agnes Krummwiede) sehe ich das schon als privater Nutzer wie auch aus meiner Sicht auf verschiedene Stationen der Verwertungskette (hatte Kleinverlags GmbH, kleinen Großhandel, größeren Laden, mit Druckschriften und Tonträgern) recht ähnlich. Als Konsument begrüsse ich es, dass zwei kleinere Verlage ihren Hardcovern bereits kostenlose Gutscheine zum EBook beilegen: die Käufer haben das Buch bezahlt und dürfen zB zuhause im raschelnden Papier, in der UBahn im handlichen eBook-Reader lesen.
    Ich würde es begrüßen, HULU oder HBO2GO problemlos bezahlen zu können – die Mühen, denen man sich unterziehen muss, um für Inhalte zeitnah zu bezahlen die es auch schon kostenlos im Internet gibt sind lächerlich.

    Und der Fehler ist nicht dass es das auch unentgeltlich gibt, sondern dass die gängige Lizenzpraxis dazu führt dass ich eine Serie entweder 1 Jahr später auf RTL (und auf Deutsch) oder erst 1 1/2 Jahre später auf DVD sehen darf – oder eben erst 1,5Jahre später bezahlen kann was ich vorher schon genossen habe ((an dieser Stelle ein Lob dem vom Autor Neil Gaiman gern empfohlenen Tunnelbear)).

    Bei Audio sieht der Urheber Leo Laporte für sich das Recht zum Download, wenn die Audio-Verlage versäumen, ihm auf wenigstens einem der gängigen digitalen Vertriebswege die Möglichkeit zur Bezahlung zu geben, was ich gut verstehen kann.
    Und was Blog-Artikel vs Qualitätsjournalismus angeht: Ich freue mich, dass ich diesen Kommentar von dir kopieren darf, während Zeitungsverlage schon zicken wenn Zitate (über die sie sich im Printbereich freuen wie Oskar) auf fremden Webseiten unbezahlt erscheinen. Mit Beachtung des BY-NC-SA natürlich.

    Über einen weiteren Beitrag in der Debatte, zum Thema “Kann man als deutscher Autor vom Schreiben leben und wenn ja warum nicht”, würde ich mich freuen.

    Mit grünem Gruß aus Tübingen,
    Wolfgang G. Wetttach

  2. Stephanie Wellens schreibt:

    Sehr geehrter Herr Wettach,
    mit meiner Mail vom 30.1.2013 an die E-Mail-Adresse: wettach@bebenhausen.de bat ich Sie im Auftrag von Herrn Dr. Thomas Köster, Ihre Wortbeiträge im Rahmen des Europapolitischen Konvents am 25.10.2012 in der Handwerkskammer Düsseldorf zu lesen, ggf. zu korrigieren und für die Veröffentlichung freizugeben. Bisher habe ich leider noch keine Antwort von Ihnen erhalten. Möglicherweise liegt dies an der von mir verwendeten E-Mail-Adresse. Bitte schicken Sie mir ihre korrekte Mail-Adresse, dann lasse ich Ihnen die Texte noch einmal zukommen.
    Mit bestem Dank im Voraus und freundlichen Grüßen
    Stephanie Wellens
    (im Auftrag von Herrn Dr. Thomas Köster, Handwerkskammer Düsseldorf)
    Mühlenstr. 29-31
    41460 Neuss
    Tel.: 02131/ 43746
    E-Mail:st.wellensgmx.de

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