Die Türkei als Europameister?

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turkey_flag. Bild: openDemocracy/FlickR

Der von mir erst gerade zitierte Michael Scharfschwerdt hat in der letzten Zeit ein Posting gemacht, das nach dem heutigen Abend fast prophetisch wirken darf: Was wäre, wenn die Türkei Europameister würde?

Wäre es nicht lustig, wenn in Zeiten, in denen die reaktionären Kräfte in der Türkei alles versuchen, um das Rad zurück zu drehen, ausgerechnet die Fussballer das Tor zu Europa aufmachen würden?

Wäre es nicht lustig, wenn ausgerechnet in Zeiten, in denen die Beitrittsverhandlungen zwischen der EU und der Türkei ins Stocken geraten, eine türkische Mannschaft sich die europäische Krone aufsetzen würde? (…) Und wäre es nicht lustig, wenn dann die europäischen Staats- und Regierungschefs und EU-Vertreter alle brav der Türkei zum Europameistertitel gratulieren würden?

Zurecht weist er darauf hin, dass die Türkei auch geographisch gänzlich zu Europa gehört. Das lässt sich auch einfach mit zwei Geraden zeigen: Wer eine Linie den Ural hinunter zieht, die Ostgrenze Europas, und eine Linie von Gibraltar, Sizilien, Malta, Zypern, an der Südküste Europas nach rechts, der findet innerhalb der so entstehenden Grenzen Europas die ganze Türkei – und einen Teil des Kaukasus. Zum Gleichen Ergebnis kam auch eine geographische Komission im Auftrag des Europarats (Geographische Rundschau 59/2007)

Hat die Mannschaft von Fatih Terim europäisches Niveau? Der türkische Nationalkader enthält einige Fussballer aus Mannschaften anderer europäischer Länder: Emre Belözoğlu von Newcastle United, Hamit Altıntop vom FC Bayern München, Tuncay Şanlı vom FC Middlesbrough, Mevlüt Erdinç vom FC Sochaux (Frankreich), Nihat Kahveci vom FC Villareal (Spanien) – Bei anderen Mannschaften sieht es ja ähnlich aus, so dass etwa die englischen Fans sich über Tore von Michael Ballack (FC Chelsea) oder keine Tore für Jens Lehmann (FC Arsenal) freuen können, auch wenn ihre Nationalmannschaft nicht dabei ist. Spätestens wenn bei Spielen zwischen Tschechien und Portugal ein Schalker gegen einen HSV’ler spielt zeigt sich doch, dass die Europäisierung des Fussballs klassische nationale Grenzen relativiert.

Apropos relativiert: Die “Sun” zeigt, dass man bei der Euro 2008 noch andere Dinge sehen kann als bunte Fussballfans. Gesuchte Kriegsverbrecher zum Beispiel, in diesem Fall #4 auf der “Most Wanted” Liste der Nazi Kriegsverbrecher, Milivoj Asner aus Kroatien, verantwortlich als Polizeichef und Gestapo-Mann für Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen, für die Deportation von Hunderten von Juden, ‘Zigeunern’ und Serben in die Vernichtungslager. Ein Mann, der in Klagenfurt ohne Gehstock durch die Strassen flaniert, in Cafés stehen oder sitzen bleibt und die Athmosphäre aufsaugt – und von Interpol gesucht wird. Angeblich war er zu krank um für einen Prozess nach Kroatien ausgeliefert zu werden – aber die Behauptung wird durch diese Bilder relativiert und es scheint, als wäre es jetzt an der Zeit die Auslieferung nachzuholen.
Heute Nachmittag war ich bei dem frauenbewegten, Geschlechtsrollen aufhebenden Musical “Froschkönigin” in der Französischen Schule Tübingen, die Vorbild für die “Neue Sekundarschule Tübingen” sein soll, unter der musikalischen Leitung von Anne Tübinger, die ich zuletzt als Leiterin des Ernst-Bloch Chors beim Jubiläum der Gesellschaft Kultur des Friedens gesehen hatte. Am Abend dann die Gala zu zwanzig Jahren tima, der Tübinger Initiative für Mädchenarbeit die sich der Prävention auch sexualisierter Gewalt verschrieben hat. Schon aus Überzeugung für die Wichtigkeit der Arbeit von tima (und dem männlichen Gegenstück Pfunzkerle) wäre ich gekommen – und weil tima seit Jahren ein wichtiger Teil des Runden Tisches Gewaltprävention ist dem ich vorstehe. Darüberhinaus aber war es auch ein tolles Kulturprogramm mit Zirkus Zambaioni, dem Mädchenchor HasteTöne und vielen anderen.

Und danach? Eine halbe Stunde Gespräch über den Rest des EM-Spiels hinweg, mit einem türkischstämmigen Ex-Grünen, der einst Mitglied geworden war um Cem Özdemir hier vor Ort zu unterstützen. Kern der Gespräche war die Beitrittsfrage, aber darüber hinaus sprachen wir über vieles, die Lage der Türken in Deutschland etwa, die Armenier, die Menschenrechte und ob ein Kurde türkischer Premierminister oder ein türkischstämmiger Deutscher hier Bundeskanzler werden könnte. Oder Grüner Bundesvorsitzender… Die Hauptfrage die dieser türkischstämmige Deutsche hatte, war: “stehen die Grünen nicht auch nur von Akademikern getragen für die Oberklassen ein?Wo zeigt sich denn ein soziales Profil der Grünen?

Eine Frage die wir so beantworten können müssen.

2 Kommentare zu “Die Türkei als Europameister?”

  1. Europameister im Improvisieren - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach - http://gruene.wettach.org schreibt:

    [...] Titel haben sie heute Abend im ARD-Kommentar schonmal bekommen. Ob sie weitere Titel bekommen, wie Michael Scharfschwerdt angeregt hatte? War das ein Krimi zum Abschluss… Vorher hatte ich [...]

  2. Fi-na-le: Gönüllerin Sampiyonu - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach - http://gruene.wettach.org schreibt:

    [...] bei AntidiskriminierungWGW bei Gesuchtes BlogGrüne Burghaslach bei Gesuchtes BlogDie Türkei als Europameister? – Grüne Kraft für Europa – Wolfgang G. Wettach – http://gruene.wett... bei 8. Mai – Ein Grund zum FeiernGesuchtes Blog – Grüne Kraft für Europa – Wolfgang G. Wettach – [...]

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