Brunsbüttel reloaded – “Energiepolitischer Amoklauf”

Brunsbüttel braucht WerbungKlimaschützer der Woche sind nicht etwa Angela Merkel und Nicolas Sarkozy (den ich übrigens einmal ‘getroffen’ habe als er, noch Innenminister, so wie ich bei der Beerdigung von Frere Roger in Taizé war), die gemeinsam bemüht sind, die klimatechnischen Vorgaben der EU für Automobile zu verwässern: Hohe Grenzwerte, Berechnung der Grenzwerte nach Gewicht (so dass es sich lohnt, Autos schwerer und damit spritschluckender zu machen), später erst Strafen falls man die Grenzwerte nicht einhält – und was an Effizienztechnologie drin steckt wird (auch wenn es weder den tatsächlichen Verbrauch noch die CO2-Belastung reduziert) als Rabatt vom tatsächlichen Ausstoss abgezogen. Fazit: Klimapolitische Heuchelei. Manche Hersteller müssten danach bis 2014 gar nichts unternehmen, weil sie diese Vorgaben jetzt schon einhalten. Entsprechend begeistert ist Ex-CDU-Verkehrsminister und jetzt Autolobbyist Wissmann, entsprechend wenig überzeugt ist Fritz Kuhn von den Grünen, der auf der letzten IAA für ökologischere Fahrzeuge geworben hatte.

Gemeint ist auch nicht der Plan für ein neues Kohlekraftwerk in Brunsbüttel mit Beteiligung des ‘Tübingen macht blau’ Oberbürgermeisters Boris Palmer (Grüne) , zu dem sich jetzt weitere Grüne aus dem Land geäussert haben: Ilka Neuenhaus (MdL) aus Tübingen sprach sich gegenüber dem Schwäbischen Tagblatt, wie zuvor schon der Tübinger Kreisvorstand, ausdrücklich dagegen aus. Werner Wölfle (MdL), im Landtag der Grünen-Sprecher für Verkehr, warb dagegen unter Grünen um Verständnis für OB Palmer, der sich nur für seine Stadtwerke einsetzen würde.

Klimaschützer der Woche sind, nach Ansicht der Internatinalen Energie-Agentur IEA, die Atomkraftwerke, von denen künftig jedes Jahr mehr als 30 neue gebaut werden sollten, insgesamt 1300 neue Atomkraftwerkefür das Klima‘. Umweltminster Gabriel bezeichnete das als “energiepolitischen Amoklauf” und hat damit, diesmal wenigstens, Recht. 15 neue AKWs hat Frankreich unter Sarkozy vorgesehen, Großbritannien unter Gordon Brown will gar 27 neue Atomkraftwerke für die Insel in den nächsten Jahren bauen. Auch Italien, dessen Premier Berlusconi auch im Umgang mit anderen bestehenden Regelungen als nicht zimperlich gilt, will das Votum der Volksabstimmung von 1987 also, ignorieren und neue Atomkraftwerke bauen – und zwar im Nachbarland Albanien. Dazu passt, dass pünktlich zum Abschiedsbesuch des (nicht nur die Geister sondern auch aus dem Amt) scheidenden US-Präsidenten George W. Bush in Slowenien auch das wegen Pannen kurzzeitig stillgelegte 31 Jahre alte Slowenische Atomkraftwerk amerikanischer Bauart in Krsko wieder ans Netz ging. Lieber Biblis als Krsko? Fakt ist: Die alten deutschen Atommeiler haben keine der amerikanischen überlegene Technik – und die Liste deutscher Atompannen ist lang und gruselig. Wer “nicht mehr so einen Abend wie letzten Mittwoch erleben” will (FTD-Kommentar), muss deutsche Alt-AKWs wie Philippsburg abschalten anstatt sie als ‘Brückentechnologie’ zu rechtfertigen. Die Slowenen ihrerseits sind der Überzeugung ihr AKW sei in Ordnung, problematisch sei höchstens dass es in einem Erdbebengebiet stehe. Na dann… In den nächsten Tagen entscheidet die EU-Kommission über ihre Stellungnahme zum Bau zweier Reaktoren im slowakischen Mochovce. Die Anlagen wären auf dem Stand der russischen Kraftwerkstechnik der 1970er Jahre. Selbst eine druckfeste Schutzhülle würde fehlen. Nur in Absurdistan begrüsst man atomare Mutationen als Artenvielfalt.

Und die Schweizer? Wollen auch mehrere neue Atomkraftwerke bauen. Ein erster Bauantrag wurde jetzt vom Energiekonzern Atel gestellt, seine parlamentarische Annahme gilt als sicher – die Sozialdemokraten der SP wollen dann mit den Grünen und anderen ein Volksbegehren dagegen starten. Ausgang ungewiss. (Schweizer Widerspruch) Denn die Schweizer haben den Bauplatz an die Grenze zum ungeliebten deutschen Nachbarn gesetzt, wie das auch die BRD in der Planung von Gorleben an der DDR-Grenze gemacht hatte. Schon Leibstadt und Betznau liegen an der Grenze zu Deutschland, ebenso Gösgen, neben das das neue AKW gebaut werden soll. Solange gilt “Wir können nicht immer Glück haben” trifft es wenigstens nicht vor allem die Schweizer? Auch in Brunsbüttel, wo es erst 2007 einen kritischen Kurzschluss gab, hatten wir nur knapp Glück.

Gibt es denn da keinen Lichtblick? Für das Hasenbergl gibt es ihn zwar, für Freunde des “selbstgemachten Atomausstiegs” gibt es ihn jedoch nicht. Denn ausgerechnet jetzt kommt die Nachricht, dass der ‘Ökostromanbieter‘ “Lichtblick” geschummeltund seinen KundInnen auch an der European Energy Exchange EEX zugekauften Kohle- und Atomstrom angedreht hat. Lichtblick soll nun das zunächst betsrittene Kaufgebaren transparent offenlegen, fordert die EEX – und der vermeintliche Ökostromanbieter wehrt sich mit Klage vor dem Amtsgericht Lüneburg gegen dieses Ansinnen, wie die Financial Times Deutschland in ihrer am morgigen Mittwoch erscheinenden Ausgabe berichtet.

Wer mehr tun will als nur zuschauen was passiert – und mehr als nur den Campact! Appell unterschreiben – sollte Partei ergreifen und aktiv werden. Und meine Kandidatur für das Europaparlament unterstützen, denn wenn wir effektiv diese Entwicklung verhindern und umsteuern können, dann auf Europäischer Ebene!

Motigo Webstats - Free web site statistics Personal homepage website counter

.

2 Kommentare zu “Brunsbüttel reloaded – “Energiepolitischer Amoklauf””

  1. DrNI schreibt:

    Wenn uns als Bevölkerung permanent eingeredet würde, wie gefährlich AKWs denn seien, dann würde die Situation schon ganz anders aussehen. So glauben wir eben, Terroristen seien sehr gefährlich und lauern überall und muhen munter “ja” (oder zumindest nicht “nein”) zu “mehr Sicherheit”. Täglich lauern sie auf uns, die Terroristen. Sagt man uns.
    Fakt ist, dass es in den letzten Jahren mehr Unfälle in AKWs als Anschläge von Terroristen in Europa gegeben hat. Kenner schätzen den die feinsinnige Unterscheidung zwischen Unfall (Wikipedia verzeichnet 5 seit 2000 in Europa) und Störfall (12 seit 2000 allein in Deutschland, darunter auch Brunsbüttel).

  2. WGW schreibt:

    Ich empfehle zum Zusammenhang zwischen Atomkraft und (mangelnder) Sicherheit bzw. drohendem Überwachungsstaat immer mal gern das 1979 geschriebene Buch “1999″ – nicht von Clamp sondern von Klaus Christian Wanninger (mit Vorwort vom von mir sehr geschätzten und einst getroffenen Zukunftsforscher Robert Jungk). Deutlich genug wird dort in romanhafter Form geschildert, welche Folgen für das rasche Voranschreiten des Überwachungsstaats die “natürlichen Sicherheitsbedürfnisse” eines massiv wachsenden Atomstaats hätten. (Hatten?) Näher an 1999 als ‘1984′ an 1984 war – und deutscher.