BlogActionDay 11: Let’s talk #FOOD: Reden wir über’s Essen

Heute ist #BlogActionDay – #BAD11 – und ich bin dabei. Lasst uns also über das Essen reden.

(Bild:Speisefisch von Wolfgang Meinhart für WikiMedia, unter GNU FreeDoc Lizenz 1.2)Eine der Überlegungen, worüber ich schreiben könnte, war die Tatsache ob, dass und warum ich Vegetarier bin, oder jedenfalls so etwas ähnliches. Warum ich also ungefähr seit ich Sechzehn Jahre alt bin kein Fleisch und keine Wurst mehr esse. Über Massentierhaltung und krankes Fleisch das krank macht, über die Anreicherung von Schadstoffen in der Nahrungskette und warum ich auch Nichtvegetariern empfehle, jedenfalls auf Thunfisch und Leber zu verzichten, über die Verschwendung von Nahrungsmitteln -und Wald- oder Acker-Boden- für die Fleischproduktion auch wenn eine bekannte FastFood-Kette jetzt keine Steaks aus dem Regenwald mehr in Deutschland anbietet. Über all das aber schreibe ich heute nicht.

Reden wir über Fisch. Und damit meinte ich gar nicht, dass ein nennenswerter Teil unserer “Fischstäbchen” üblicherweise vor der Küste von Fukushima gefangen wurde, wo sich nun nukleare Brühe verdünnen muss – sondern dass wir beginnen müssen, aufzuhören Fisch zu essen. Jedenfalls diejenigen unter uns, die überhaupt über das nachdenken was sie essen: Nicht nur “was essen wir denn heute?” sondern auch “was musste geschehen damit wir das essen können, zu welchen Entwicklungen tragen wir damit bei?” wäre die Frage nach der Nachhaltigkeit des eigenen Handelns.

Derzeit sind 65% der Bestände im Nordost-Atlantik und 90% der Bestände im Mittelmeer überfischt, also auf eine Weise ausgebeutet die ihnen nicht erlaubt, sich zu regenerieren. Ein Resultat? Zwischen 1995 und 2010 sind die Fänge in der Europäischen Union um 40% zurückgegangen. Mehr als 60% der in der EU konsumierten Meerestiere sind heute schon Importe und diese Zahl steigt während die Zahl der Fische immer weiter zurückgeht und immer mehr Arten in ihrem Bestand gefährdet werden. Ein Argument, warum man an dieser desaströsen Entwicklung in der EU nichts ändern wollte war stets das Argument der Arbeitsplätze. Dabei sind auch mit den bestehenden Praktiken immer weniger Menschen in der Fischerei beschäftigt, weniger als 0,1% der Arbeitsplätze der EU – und seit 1996/97 nimmt die Zahl der Fischer weiter um vier bis fünf Prozent pro Jahr ab. Mit der bestehenden Politik macht die EU-Fischereiindustrie Verluste, im letzten Jahr knapp 5% netto, und das wird sich weiter verschlechtern wenn wir nichts ändern.

Wir? Ja, denn es geht nicht nur um die EU-Fischereipolitik, in der manches geändert oder abgeschafft gehört, angefangen von einer Schleppnetzfischerei die Flora und Fauna am Meeresboden zerstört über ein Verbot der massenhaften Vernichtung vieler verharmlosend “Beifang” genannten Tierarten bis zur EU-Verdrängung konkurrierender Fischerei-Flotten. Der EU-Fischerei-Leviathan ist zu gross und fischt weltweit zu massiv als dass kleinere so mithalten -oder Küstenfischer noch genug fangen- könnten: Mehr als ein Viertel aller von EU-Flotten gefangenen Fische stammt von ausserhalb des EU-Gebiets: 20% aus internationalen Gewässern und 8% aus Nicht-EU-Gewässern deren Regierungen der EU dieses Recht eingeräumt haben. Wieweit man bei manchen Staaten von Regierung des Volkes und für das Volk sprechen kann, oder überhaupt von Regierung, sehen wir am Beispiel Somalia, dessen erfolglose Fischerei zugunsten der Piraterie weitgehend aufgegeben wurde, weshalb wir heute ganz andere EU-Schiffe in diese Gewässer schicken, um Seewege zu sichern – aber das ist ein anderes Thema.

Wir, denn es geht auch um unseren Konsum, unsere Gewohnheit, mehr auf den Produktnamen oder das optische Erscheinungsbild zu achten als darauf, ob unsere Ernährung heute dazu beiträgt, dass die Suche nach Nahrung für andere morgen viel schwieriger wird. Es gibt zum Beispiel von Greenpeace einen Fischführer der so handlich ist, dass er beim Einkaufen in jede Hand- oder Jackentasche passt. Der lässt sich nutzen im Sinne von: Wenn schon Fisch, dann bewusst.
Klar muss aber auch sein: Nicht nur müssen die EU-Fangquoten drastisch reduziert werden, damit Fischbestände sich wieder auf ein nachhaltiges Niveau regenerieren können, das nicht nur uns den selben Fang im nächsten Jahr sondern auch ihnen ihre Funktion im Marinen Ökosystem erlaubt – sondern wir müssen insgesamt alle weniger Fisch essen, sonst hilft das alles nichts.

Auch ich, übrigens.

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*Siehe auch: The reform of the Common Fisheries Policy – Green priorities
*Zurückessen: “Was essen wir” einmal anders, in der LMD
*Reden wir über’s essen: In China werden bezahlbare Lebensmittel knapp
* Bild: Wolfgang Meinhart für WikiMedia, unter GNU FreeDoc Lizenz 1.2)

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