Wer rettet uns vor den Datenkraken?

Es fing ganz harmlos an: Viele Pressemeldungen und ein kleiner Trailer mit der Aufforderung: Lösen Sie den Fall im Internet! Die entsprechende Webseite, http://www.freidaten.org, war als Seite einer Gruppe von Datenschutz-Aktivisten aufgemacht, die auch die Piratenpartei zunächst begrüsste,  bevor sie merkte -und kritisierte- dass es hier beim wichtigen Thema Datenschutz um schnöde Unterhaltung gehen sollte. Ist das verwerflich? Aber von Anfang an:

Datagrrl Dina Foxx, gespielt von Jessica Richter, wechselt wie manche Aktivisten die Seiten und lässt sich von der Datenschützerin die lustige Aufklärungsvideos gemacht hat (zB über RFID-Chips an der Milchtüte oder über übermässige Freigabe von Daten in Netzwerken, über Profiling-Daten und Daten-CDs) in einen “richtigen Job” als Werbegesicht des neuen Internet-StartUps “Avadata” anwerben. Dort arbeitet auch ihr Freund Vasco – bis zu seinem Ableben, das Dina angelastet wird. Was aber macht Avadata? Seht selbst:

Viele geben zuviele Daten von sich preis und Avadata, so die Idee, soll helfen, das wieder in den Griff zu bekommen. Der Service, für dessen Betatest man sich anmelden kann, bietet in der Grundversion eine einfache Steuerung der Datenschutzregeln für verschiedene Web 2.0 Seiten, wie Facebook, Google, MySpace, FlickR: Manches kann man damit schon “unsichtbar” machen, peinliche Fotos löschen und dergleichen. Premium-Versionen des Programms sollten über das “Rückholen” von Daten im Netz hinaus lernfähige persönliche digitale Assistenten werden und alle privaten Daten des Nutzers würden sicher auf einem eigenen virtuellen Avadata-Server verwahrt. Das erinnert ein wenig an Tobi Schlegls “Datenschutz”-Aktion mit dem Datensafe-Wagen. “Wir bieten an, dass man ihre Daten permanent schützt“. Die Daten, die Kontonummer, “wir brauchen das ja, damit wir das aus dem Netz entfernen können.” Unglaublich, dass Leute auf sowas (oder auf einen Dienst wie “Google HomeView” von der heute-show) hereinfallen, oder? Naja. Zu Beginn der “Rettet Dina Fox” Aktion glaubten Beteiligte auch noch, dass ein Passwort-Dienst im Internet eine gute Idee wäre – bei der man einer kleinen Internet-Firma (oder deren Browser-Plugin oder App) die Aufgabe anvertraut, alle seine  Passwörter im Netz zu speichern. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt…

Hier der Film vor den Rätseln, bei Youtube derzeit noch in voller Länge verfügbar:

Wie die Rätsel gelöst wurden kann man jetzt noch nachträglich im Forum von www.freidaten.org nachlesen. Wie es den Spielenden dabei erging und wie sie es fanden auch, nämlich hier.

Eine Stimme:
Sehr gut fand ich die Nutzung der vielen SocialMedia Webseiten, Facebook, LinkedIn, MySpace, XING, Posterous, leider nur unkommunikativ Twitter – auch wegen des Lerneffekts: Viele haben sich erst einmal hier und da und dort angemeldet oder mit Charakteren zu vernetzen versucht – und dann erst überlegt, wieviel sie dabei an Daten ab- und über sich preisgeben. Auch hier beim Forum haben sich viele ersteinmal mit richtigen Emailadressen angemeldet, weil sie das immer so tun, selbst wenn eine erfundene genauso funktioniert hätte. Den selben Lerneffekt hatte vermutlich für die beteiligten der Dinafoxx-Mainchat, nachdem ein paar der Spielenden als Admins gemerkt haben, was schon ein einfacher ChatAdmin über andere Teilnehmer sehen kann und erfährt, woran diese vermutlich nicht gedacht haben.

Aber es haben viele der etwa 1000 im Forum aktiv Beteiligten und, so darf angenommen werden, auch ihre Freunde und Bekannten, mit denen sie darüber gesprochen haben, vieles gelernt. Was man nicht machen sollte, dass ein einmal verwendetes Passwort nicht auf zehn verschiedenen Seiten verwendet werden sollte (weil es dann so kompliziert sein kann wie es will, es ist nicht mehr sicher), wie man seine IP beim Aufruf einer Seite verschlüsselt, wozu Wegwerf-Emailadressen gut sein können, aber auch was Bertelsmann und Arvato an Macht durch Daten sammeln, welche Macht ein einziger Hardware-Hersteller wie Foxconn über all unsere Elektronik hat oder was INDECT bedeuten könnte.

Den Datenkraken stehen nicht nur die an der Lösung der Rätsel beteiligten, sondern auch all die passiv Mitlesenden, jetzt viel kritischer gegenüber. Und das ist gut so.

Was sagen die Macher? ZDF-Schnittstellenredakteurin Milena Bonse hat im Vorfeld dieses Video-Interview gegeben. Nachdem manche Medien, auch DWDL,  eine Nachricht gebracht hatten dass das ZDF mit der Aktion überfordert und die Seite Opfer eines Hackerangriffs gewesen sei, griffen Nutzer das auf und schrieben den entsprechenden Medien, was bei DWDL zu diesem Interview führte.

Was sagten sie hinterher? Dass das Experiment Dina Foxx wiederholt und die Story weiter geführt wird, wenn das Interesse daran gross genug ist. Darauf ist zu hoffen, damit noch mehr Menschen noch mehr üder das Themenfeld lernen und Dina Foxx’s Abschlusssatz berücksichtigen:

“Passt auf Eure Daten auf!”

PS: Meine Abschlussbewertung im Forum: http://www.freidaten.org/freidaten-forum/index.php?p=/discussion/comment/12290#Comment_12290

Ein Kommentar zu “Wer rettet uns vor den Datenkraken?”

  1. Bernd schreibt:

    Ich muss mir mal die Interviews noch durchsehen – nach dem Bundesparteitag. Aber gibts nen Grund warum man es als gescheitert hätte beurteilen können? Die Schilderung von Wolfgang liest sich gut, erfolgreich. Es hat allen Beteiligten Spass gemacht, sie haben was gelernt und der Veranstalter war gut integriert.

    Schnitzeljagd (und Fernsehkrimis) ist nicht so mein Ding – aber finde das trotzde mein gutes Format – wenns nicht zu gekünstelt ist (Was es nicht klingt).

    Gruss
    Bernd

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