60 Jahre Israel – und 60 Jahre Nakba, Vertreibung, Besatzung, Unterdrückung

Refugee camp - 60 years of israeli occupation

No Time to celebrate

“Der 60. Geburtstag ist gleichzeitig auch der 60. Jahrestag der Katastrophe für die Palästinenser – die berühmte Nakba. Al Nakba ist „die Katastrophe“ auf arabisch. Und in der Tat muss man sich unbedingt in Erinnerung rufen, dass zur Errichtung des Staates Israel mehrere 100.000 Palästinenser vertrieben wurden, umgebracht wurden, ihre Besitztümer, ihr Eigentum ist entweder zerstört oder beschlagnahmt worden, inzwischen auch angeeignet worden. Das heißt, die Gründung des Staates Israel ist von Anbeginn verbunden gewesen mit Zerstörung, Gewalt, Vertreibung und vielfachen Mord.” (Fanny-Michaela Reislin – Quelle)


Das mag unausgewogen sein, aber eine höchst subjektive Meinung steht Frau Reislin, Mitinitiatorin Die Grafik der “Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“, durchaus zu. Sie ist auch nicht allein: Schon 2002 waren es 18 jüdische Organisationen aus 9 europäischen Ländern, die die “Amsterdamer Erklärung” verabschiedet und die EJJP gegründet haben. 2003 wurde dann im “Haus der Demokratie und der Menschenrechte” in Berlin die deutsche “Jüdische Stimme” ins Leben gerufen. Andere, etwa jüdische Organisationen aus USA, gehen weiter: “No Time to Celebrate” erklärt die “Solidarität mit 60+ Jahren des palästinensischen Widerstands gegen den Zionismus”.

Grundlage der Israel-Kritik muss meiner Überzeugung nach sein, dass die Existenz Israels nicht in Frage gestellt wird – und das wir uns, das ich mich freue, dass auch nach 60 schwierigen Jahren Israel als Staat und als ein Heimatland für Juden noch immer existiert. Und dass auch mein Land immer selbstverständlicher wieder ein Heimatland für jüdische Mitbürger geworden ist. Diese hoffentlich gemeinsame Grundlage aller deutschen Demokraten möge man auch mir, einem Freund der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, abnehmen: Kritik an Israel, wo ich sie teile oder äussere, sollte solidarische Kritik auf der Grundlage des israelischen Existenzrechts sein – und doch das Unrecht auch dann beim Namen nennen wenn Israel es begeht. Wie Henry Siegman es in der Süddeutschen Zeitung ausdrückte:

Die Europäer glauben, als Sühne für den Holocaust müssten sie alle Taten des jüdischen Staates dulden – damit schaden sie ihm.

In den Grenzen des 4. Juni 1967, die inzwischen auch Hamas-Führer wie Halid Mashall in Damaskus anerkennen, muss es seinen Bestand haben – von der Weltgemeinschaft garantiert, aber ohne die Apartheidspolitik gegen Araber und vor allem Palästinenser, mit einer Lösung die den gewaltsam und unrechtmässig Vertriebenen ermöglicht, nach Palästina und nach Jerusalem zurückzukehren. -Damit nicht der 70 Jahrestag der Gründung Israels für die Palästinenser immernoch nur 70 Jahre Nakba, Katastrophe, Vertreibung und unterdrückende, völkerrechtswidrige Besatzung bedeutet: Sondern Frieden für beide Seiten, in stablien Staaten für beide Seiten – ohne Mauer.

Ein Kommentar zu “60 Jahre Israel – und 60 Jahre Nakba, Vertreibung, Besatzung, Unterdrückung”

  1. Aktivismus klassischer Art: (2) Die Demonstration / Rückblick auf 2008 - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach - http://gruene.wettach.org schreibt:

    [...] von der Polizei geschützt regelmässig auf den Protest der Tübinger BürgerInnen stößt. Auf 60 Jahre Israel und 60 Jahre Nakba, Vertreibung, Besetzung und Unterdrückung folgte der Jahrestag der Befreiung vom [...]

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