Rückblick auf die Frankfurter Buchmesse

DPAG 2010 40 Frankfurter Buchmesse ArgentinienDieses Wochenende war ich wie fast ausnahmslos jedes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse, wo es schon in den letzten Jahren auch um Urheberrecht und Piraterie, eBooks und Digitalisierung, eBook-Reader und dieses Jahr natürlich Tablet-Computer ging.

Zuerst bin ich aber zum LiBeratur-Preis bei den internationalen Büchern. Der von Leserinnen und Lesern vergebene Preis möchte auf Schriftstellerinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika aufmerksam machen und ist ausser mit einem eher symbolischen Preisgeld mit einer Einladung zur Buchmesse verbunden. Gewinnerin dieses Jahr war die Argentinierin Claudia Piñeiro für ihren Kurzroman “Elena weiss Bescheid“, über eine an Parkinson erkrankte Frau im Wettlauf um die Wahrheit gegen die Zeit.
Nach einer Diskussion über das aktuelle Frauenbild der Türkei kam Mita Kapur mit “The F-Word”, was sich anders als bei anderen Büchern dieses Titels nicht direkt auf “Feminismus” oder “Familie” bezieht, sondern auf “Food” – auch wenn die drei anderen Bedeutungen mitschwingen.

Anschliessend zu den eReadern, der Trend geht zum Branding – das heisst immer mehr Anbieter drängen auf den Markt mit NoName-Geräten und -Apps, die von westlichen oder hier deutschen Kunden unter eigener Marke vertrieben werden. Viele ordentliche eBook-Lesegeräte und potentielle iPad-Konkurrenten, die darauf warten unter Markennamen wie “Medion” oder “TCM” vertrieben zu werden. Einige durfte ich ausprobieren, mit Anbietern mobiler eBook-Dienste habe ich ausgiebiger gesprochen, die meisten beeilten sich zu beteuern dass sie demnächst auch etwas anderes als nur für die geschlossene Apple-Welt anbieten würden. Gemeint war damit jeweils genau eines: Googles Betriebssystem Android, wobei alle für Android entwickelten Anwendungen oder Apps ja auch auf dem neuen WeTab laufen, der iPad-Alternative für Linux-Freunde und OpenSource-Fans.

Anschliessend ging es ins Lesezelt zur Verleihung der “Buchhandlung des Jahres” – verdientermassen an eine Buchhandlung, die mir am Herzen liegt und mit der ich seit über 25 Jahren nur gute Erfahrungen gemacht habe: Osiander aus Tübingen! Die über 400 Jahre alte Buchhandlung, die seit ihrem 400jährigen Jubiläum im Internet unter http://www.osiander.de ist, will nicht nur mit 23 Filialen sondern auch mit dem Onlineshop, mit kostenloser Lieferung, Amazon zumindest im Südwesten Konkurrenz machen. Im Raum Tübingen, Reutlingen und Heilbronn wird ganz ökologisch CO2-frei ausgeliefert, mit dem Fahrradkurier, in Tübingen von der Schülerfirma “GreenBooks”. Hier die Laudatio auf Osiander:

Ausgezeichnet vor allem wegen der Verantwortung, der sie sich stellen, “ökonomisch, ökologisch und sozial”. Die Corporate Social Responsibility, mit dem Mensch im Mittelpuinkt, flachen Hierarchien, zufriedenen Mitarbeitenden, ausgezeichnete Ausbildung, mit Azubi-Laden, Theaterworkshop und 80% Übernahmequote. Der Autor Peter Prange trägt eine persönliche Lauditio aus eigener Erfahrung bei.
Aus meiner Erfahrung nur zwei Anekdoten: Als ich mit Freunden meine erste Firma gründete, den PeliCorn-Verlag, bot mir Osiander sofort und zur Unterstützung des Firmenstarts eine Vitrine mit unseren ersten Titeln in der Wilhelmstrasse. Und als ich mit Freunden eine Bezugsgruppe für gewaltfreie Blockaden vor Atomwaffenlagern wie Großengstingen oder Mutlangen bildete, war eine Buchhändlerin von Osiander mit dabei. Mein Glückwunsch.

Anschliessend zu Suhrkamp, wo in dem neuen Buch Gadget: Warum die Zukunft uns noch braucht von Jared Lanier mal wieder der “digitale Maoismus” der Wikipedia gegeisselt wird. Neben OpenSource wird hier vor allem OpenCulture verdammt, alles was mit CreativeCommons zu tun hat ist böööööse… und OpenSource bringt bestenfalls schlechte Kopien aber keine Innovationen hervor. Interviews mit ihm sind in selber Richtung in so erlesenen Publikationen wie der Jungen Freiheit oder der FAZ erschienen. Diese Tiraden, gezogen über viele, viele Seiten, versteht man nur dann richtig wenn man weiss, dass dieser Mann seit dem Jahr in dem er zuerst den “digitalen Maoismus” anprangerte auch und vor allem in Lohn und Brot der Menschenfreunde von Microsoft ist. Keine weiteren Fragen, Danke.

Ich habe darüber hinaus Jonathan Stroud mit seinem neuen Bartimäus-Buch getroffen, Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant, sowie Fahr Sindram, die Autorin und Zeichnerin von “Losing Neverland”, deren Engagement gegen Kinderpornographie und Kindesmissbrauch in Comix ich noch einmal ausführlicher darstellen werde.

Und weil es so schön war habe ich mir vorgenommen, 2013 und/oder 2015 mit einem Stand auf der Buchmesse zu sein.

Ein Kommentar zu “Rückblick auf die Frankfurter Buchmesse”

  1. Politischer subjektiver Jahresrückblick 2010 - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach – http://gruene.wettach.org schreibt:

    [...] Bewerbungs-Videos), der auch das CDU-Direktmandat angreifen soll. Ich war auch mit anderen auf der Frankfurter Buchmesse, wo es in Gesprächen um Urheberrecht, Digitalisierung und virtuelle Güter wi…. Dann schlug der “Herbst der Entscheidungen” zu und die Union entschied sich angesichts [...]

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