Was gibt es zu essen? (2)

Reis - Vom Grundnahrungsmittel zum Luxusgut? CC. claudecf/FlickRNatürlich ist das Thema “Was gibt es zu essen” nicht mit einem Posting abgehandelt – zumal es wesentliche Politiken der Europäischen Union betrifft, neben der Beimischungsrichtlinie vor allem die Gemeinsame Agrar-Politik CAP. Um die Diskussionen dieser Zeit (und dieser ZEIT) wiederzugeben will ich ein paar Links zusammenfassen. EU-Kommissar Andris Piebalgs hat in seinem Blog unter dem Titel “Biofueld and food – regaining a sense of proportion” darauf hingewiesen, dass Biosprit der Sündenbock für die Nahrungskrise sei, die seit Jahrzehnten sichtbare Ursachen habe. Das sieht auf der Financial Times in deren Brüssel-Blog so. Wenn also das Shell-Investment Choren in Freiberg in Sachsen dieser Tage die erste kommerzielle BTL (Biomasse zu Flüssigtreibstoff) Fabrik errichtet, dann gehen nicht deshalb die Reisreserven in den Philippinen zur Neige, sondern aus anderen Gründen, sondern auch und vor allem weil an der Rohstoffbörse in Chicago damit derzeit massicv spekuliert wird, wie Grossinvestor Jim Rogers freimütig zugibt. Allerdings zieht er daraus den Schluss, dass die Preise nach oben überall völlig freigegeben werden müssten, da Getreide noch nicht teuer genug sei um für die Bauern weltweit attraktiv genug zu sein. Das mögen die Hungernden anders sehen, auch wenn die ZEIT schreibt dass die nicht protestieren, weil sie zu sehr mit Existenzsicherung beschäftigt seien – “es protestieren immer die Zweitärmsten”.

Den Biosprit (oder eine Dürre in Australien) für die Krise hauptverantwortlich zu machen ist jedenfalls Unsinn, wie auch die Initiative “Food First” in ihrem Beitrag mit dem prägnanten Titel “Pouring Fuel on the Food” (via) vertritt. FoodFirst versucht aber auch, Akzente gegen die scheinbaren “Gegenstrategien” zu setzen, die jetzt verbreitet werden, ähnlich kurzsichtig als Rezepte wie zuvor die Analysen. “Mehr Künstdünger” oder endlich “mehr Genpflanzen” sind nicht die Lösung, sondern zum Beispiel nachhaltiger Anbau für die Kleinbauern, gefördert von der EU auch wenn es Jim Rogers ärgern mag. Generell gilt aber, was wir auch als ein Fazit beim Grünen Ratschlag erarbeitet haben: “Jede einfache Lösung ist vermutlich einfach falsch.” Biofuel als Lösung für Treibstofffragen anzupreisen ebenso wie massive Monokulturen mit neuen wunderpflanzen wie Jatropha – oder wie Biofuels für die Nahrungskrise verhaften zu wollen. Ich hoffe, mit den Linktips die Debatte oder jedenfalls das Nachdenken hier etwas angeregt zu haben.

* Update: Das Material und der Kurzbericht von der Grünen entwicklungspolitischen Konferenz ist jetzt online.

Ein Kommentar zu “Was gibt es zu essen? (2)”

  1. Nahrungsplus » Blog Archive » Re: Jeer Mensch hat ein Recht auf Essen - Copyright größtes Problem der Informatio… schreibt:

    [...] essenher fordere ich: Freie Mahlzeiten in französischen Restaurants! > > Mal ernsthaft: Wer Zeitschriften archivieren will, kann sich die > Zeitschriften kaufen. Es besteht insoeit ein freier Zugang zum > Wissen. Wenn allerdings gemeint ist, dass heise zukünftig kostenlos > arbeiten soll, so stellt sich die Frage, wer die Autoren bezahlt und > welcher der unbezahlten Autoren noch Artikel schreibt. Ich gehe dabei > davon aus, dass auch heise-Redakteure ihre Miete bezahlen müssen. nimm mal die Scheuklappen ab und versuche dich von dem Irrtum zu lösen, dass ausschließlich geschützte Inhalte Basis für Gelderwerb sein können. Das geht auch anders > > Wenn es um Entwicklungsländer geht, so muss dafür gesorgt werden, > dass diese fair behandelt werden. Das hat nichts damit zu tun, dass > man ihnen Wissen “schenkt”, sondern damit, dass man generell die > sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse fördert, damit diese > Länder selbst forschen können. hört sich irgendiwe wohlmeinend an, ist jedoch zu nebulös, als dass sich darauf aufbauen ließe. Wie wär’s mit der einfachen Formel ‘Freie Information für freie Bürger’? Dieser Grundsatz würde jedenfalls verhindern, dass ökologisch fortschrittliche Entwicklungen nur auf Grund wirtschaftlicher Erwägungen der Menscheit vorenthalten werden können. Moralische Pflicht wäre wieder möglich. mfG Assel [...]

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