Aktivismus klassischer Art: (2) Die Demonstration / Rückblick auf 2008

Heute ist Sylvester – Zeit für einen Jahresrückblick, der allzu beschaulich nicht werden muss, zumal andere für ihre Bereiche einen solchen Jahresrückblick schon gemacht haben, etwa Netzpolitik.org zum ganzen Thema Digitale Rechte, Überwachung und Stasi 2.0, oder Lukas von CoffeeAnTV, den ich bei der BDK in Erfurt kennengelernt habe, zum Thema Musik. Die Karrierebibel bleibt in der Blogschokolade selbstreferenziell und sortiert Einträge thematisch, Elisabeth Wirth macht einen Rückblicksversuch im taz.blog und das BlickLog fasst dankenswerterweise ein Liste sonstiger lesenswerter Jahresrückblicke der traditionellen Medien zusammen.

Ich möchte also meine Vorstellung der Demonstration als “Aktivismus Klassischer Art” mit einem subjektiven Rückblick auf das Demonstrationsjahr 2008 verbinden.

Demonstration? Eine Form der Meinungsäußerung, die auf verschiedenste Weise kundgetan wird, schreibt Wiktionary und bringt als Beispiel: “Die Ostermärsche waren Demonstrationen für den Frieden.” Dafür bin ich aber zu jung, auch wenn es die theoretisch immernoch gibt.

Anti-AKW Demonstration im Bonner Hofgarten. Quelle: Wikimedia Fangen wir also da a, wo ich mit Demonstrationen angefangen habe: Bei der Anti-AKW-Demonstration wegen des geplanten Atommüllzentrums (Neusprech: “Entsorgungspark”) in Gorleben im Wendland, bundesweit mit etwa 100.000 Teilnehmenden in Hannover und dann im Herbst mit meiner Teilnahme in Bonn auf dem damals üblichen Aufmarschplatz für Großdemonstrationen, dem Hofgarten. Als ich 16 war, war nämlich Bonn noch das Bundeshauptdorf.Anders als das aus der Wikipedia entnommene Bild suggeriert waren Demonstrationen damals nicht schwarz-weiss sondern durchaus bunt und lebendig und, den Jüngeren sei es gesagt, es wurde damals bei Deomonstrationen auch mehr gesungen, Texte und Melodien gingen in der Komplexität über “He-Ho, leistet Widerstand” durchaus hinaus. Einen weiteren Höhepunkt erreichten die bundesweiten und meine persönlichen Demonstrationen bei denen gegen den von Helmut Schmidt verfochtenen NATO-Doppelbeschluß. Die Friedensbewegung war massiv tätig, vom Reagan-Besuch über die Demonstration mit fast 500.000 Menschen in Bonn bis zur Menschenkette von Stuttgart nach Neu-Ulm mit etwa 400.000 Menschen, die dieses Jahr ihr 25jähriges Jubiläum hatte, woran unter anderem die DFG-VK mit Aktionen erinnerte. Und ich war dabei.

Auch heute kann eine Demonstration noch Wirkung entfalten, wie nicht nur die Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm letztes Jahr gezeigt haben. Es gab auch dieses Jahr einige Demonstrationen für wichtige Themen, die durchaus zur Kenntnis genommen wurden. Umso wichtiger ist der Einsatz für die Versammlungsfreiheit, den auch wir Grünen in Baden-Württemberg leisten.

Im Januar begann das Demonstrationsjahr für mich mit 75 Jahren Machtübergabe an die Nationalsozialisten, einer Demonstration mit der Veinigung der Verfolgten des Naziregimes VVN/BdA an der Gedenkstätte am Alten Schloss in Stuttgart, vor der Gedenkstätte der damals noch überzeugten Stauffenbergs.

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Im Februar und März habe ich viel gemacht, Kongresse über den Demographischen Wandel im Europaparlament in Brüssel oder über die Notwendigkeit besserer Bildung ohne die Hauptsschulen mit der Handwerkskammer im Haus der Wirtschaft in Stuttgart, aber an keinen Demonstrationen teilgenommen. Im April gab es die große landesweite Demonstration von “Schule mit Zukunft”, an der ich als Vorsitzender des Landeselternrates LER teilgenommen habe, mit den Grünen MdLs Ilka Neuenhaus und Brigitte Lösch und mit der SPD-Landesvorsitzenden Ute Vogt.

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Einige der attacis bei der 1.Mai-Demo. Bild: (c) attac.fr Im Mai war ich mit der bundesweiten EU-AG von Attac als Teilnehmer und Konferenzdolmetscher beim Attac Base Treffen europäischer Attac-Basisgruppen in Berlin, das auch an den Demonstrationen zum 1.Mai teilnahm (während die in Hamburg dieses Jahr ins gewalt(tät)ige ausuferten. In der Nacht auf den Mai war ich bei der Bürgerdemonstration gegen den Rechtsextremismus der Burschenschaften und Verbindungen, deren traditionelles Tübinger “Maisingen” am Abend des 30.04. von der Polizei geschützt regelmässig auf den Protest der Tübinger BürgerInnen stößt. Auf 60 Jahre Israel und 60 Jahre Nakba, Vertreibung, Besetzung und Unterdrückung folgte der Jahrestag der Befreiung vom Nationalösozialismus, der 08.Mai mit 25 Jahren “Gesellschaft Kultur des Friedens”.Der BuKo der Grünen Jugend in Bonn mit Aktion zur Biodiversität und gegen Patente auf Leben wurde gefolgt von der Großen bundesweiten Demonstration Freiheit Statt Angst bei der Grüne in verschiedenen Städten redeten, ich war bei der Aktion auf dem RACT! Festival dabei.

Fans near Hauptwache. Bild CC: Travel Aficionado/FlickR

Im Juni gab es viele Diskussionen rund um Europa, den Landesausschuss (kleiner Parteitag) der Grünen in Filderstadt, die Türken in Deutschland demonstrierten friedlich ihre Fußballfreude bis sie, ebenso friedlich, in der Europameisterschaft an der deutschen Mannschaft scheiterten. Umweltminister Sigmar Gabriel von der SPD wachte auf was die Asse angeht. Der Juli war ein Konferenzmonat, der unter anderem meine Vorträge beim Fachtag für bessere Rahmenbedingungen in der vorschulischen Bildung in Stuttgart (Gründung des KITA-Bündnis) und beim 3. Deutschen Antidiskriminierungstag in Bonn sah. Mich beschäftigte ausserdem das Finale des Münchener Businessplan-Wettbewerbs MBPW.

Der August war der Monat der Sommeruniversitäten, angefangen mit der 1. European Summer University von Attac in der Europa-Universität Saarbrücken. Als Aufreger folgten der neue Atomunfall im AKW Tricastin und der Kaukasus-Krieg zwischen Russland und Georgien um Südossetien und der Dauerbrenner des Jahres, die Überwachung, der Datenschutz, die Wanzen. Den Abschluss des Monats machte, auch mit diesen Themen, die European Green Summer University in Frankfurt/Oder und Slubice/Polen, unter anderem mit einer demonstrativen Grenzüberschreitung die auch die Kluft zwischen alten und jungen TeilnehmerInnen überwinden sollte.

Anfang September wurde für den Herbst geplant: Demonstrationen und Aktionen aller Art bereitete ich vor als einziger durchgängig anwesender Grüner bei der Herbstkonferenz der Anti-AKW-Bewegung in Braunschweig. Kurz darauf gab es eine grüne Kundgebung gegen “grüne Gentechnik” bei Heidelberg. während der Demonstrationshöhepunkt im September die Bundesweite Demonstration für den Frieden in Afghanistan, in Berlin und Stuttgart, war, bei der ich die Fahne der Grünen hochhielt. Der Grüne Wahlkampfhöhepunkt der Landtagswahl in Bayern war eine Kundgebung auf dem Marienplatz in München, mit Sepp Daxenberger und Theresa Schopper, mit Claudia Roth und Jürgen Trittin, und der von mir genutzten Gelegenheit mit diesen und anderen zu reden. Die Wahlparty war dann auch fein, aber keine Demonstration mehr.

Grüne Friedensinitiative bei Afghanistan-Demo

Im Oktober gab es nach der Berliner Konferenz “Greening the Economy” zur Grünen Marktwirtschaft in Europa und den USA, die größte Demonstration für Datenschutz in Deutschland, “Freiheit statt Angst”, und zugleich die LDK der Landesgrünen in Baden-Württemberg, bei der ich meine erste Vorstellungs- und Europarede hielt und bei der wir für grosse grüne Beteiligung an der Anti-AKW Demonstration in Gorleben warben.

Im November dann nach der USA-Wahl von Barack Obama als Demonstrationshöhepunkt die Demo in Gorleben, mit überhaus reichhaltiger Grüner Beteiligung, an der Demonstration, in meinem Falle mit dem BaWü-Grünen Megaphon und Claudia Roths GJ-Demofibel auch an Sprechchören und Demogesängen, bei vielen Grünen auch an der Blockade des Lagers. Der Bundesparteitag, die BDK in Erfurt, war ein weiterer Höhepunkt, von dem auch eingeladene Gastblogger berichtet haben, so z.B. coffeeandtv oder das pottblog.

Im Dezember schliesslich war ich bei einer Kundgebung zum Thema 60 Jahre Menschenrechte und anschliessend einer Diskussion zum Thema Migration mit den Grünen MdBs Winne Hermann und Josef Winkler und habe den 90. Geburtstag von Helmut Schmidt genutzt, um ausgiebig auf viele Jahre, nicht nur dieses, zurückzuschauen. Viele Demonstrationen mit Grüner Präsenz, zumindest in meiner Person. ((Bilder werden im Update noch hinzugefügt))

Vergleiche auch:

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