Eindrücke von den Medientagen München

Ifa zeigt flaches Fernsehen by kotofoto

Ob das Fernsehen noch ein ernsthafter Kulturträger ist wird seit der versuchten Verleihung des Fernsehpreises diskutiert – und die eifrige Diskussion zeigt, dass dieses Medium noch nicht von allen aufgegeben wird. Was aber sollen die Medien der Zukunft sein? Der Standort München (zweistellige Prozentzahlen der MitarbeiterInnen im Verlagswesen und in der Filmbranche in Deutschland) freut sich, trotz der Zensurbemühungen mancher Innenminister, dass im Frühjahr 2009 erstmals der Deutsche Spielepreis in München verliehen wird, weil Computerspiele das am stärksten wachsende und langsam auch schon das stärkste Segment der Medienbranche sind, auch vom Umsatz her bedeutender als Hollywood oder eben Geiselgasteig.

In den nächsten Wochen soll in Brüssel die Telekommunikation neu geregelt werden, dabei wird es auch darum gehen, die digitale Dividende zu nutzen um das breitbandige Internet in die Breite, in die Fläche zu bringen. Bayern will hier zeigen dass sie das alleine besser können als eine Behörde der Europäischen Union. Dabei kommt es natürlich auch darauf an eine Lösung dafür zu finden, dass der Computer längst für viele auch der Fernseher ist und diesen ersetzen kann. Was bedeutet das für die Frage der Werbeverbote im Fernsehen, was für die Frage der Rundfunkgebühren?

Eberhard Sinner ist der deutsche Vertreter der 16 Länder bei den Ministertreffen der EU zu Medienthemen und beklagte einerseits die Schwierigkeit der Stimmgewichte (das beliebte Malta 3 gegen Deutschland 29 Stimmen, wobei Deutschland nach dem Maßstab Maltas 400 Stimmen haben müsste) – und andererseits die erhöhte Effizienz eines Gesprächs auf Ministerebene, bei dem dann der Weg eines einzelnen Landes nicht nur als Sonderweg sondern auch als der besonderen Lage des Landes geschuldet gesehen und akzeptiert werden kann.

Murdoch Junior singt bei den Münchener Medientagen das Loblied der Befreiung von Werbeflut und meint damit seinen Dienst Sky+, bei dem die Kunden Werbung ausblenden können. James Murdoch ist das junge Gesicht der NewsCorp, der Chef für Europa und Asien, einer Firma die für das rechte Bildzeitungs-Fernsehen Fox-News in den USA steht, das abwechselnd als “Faux-News” oder “Fixed News” oder “Fox Noise” bezeichnet wird. In Deutschland hatten wir vor einigen Jahren die Situation, dass der Chef der Nachrichtenredaktion eines grossen Privatsenders zugleich Wahlkampfberater des CDU-Kanzlers Kohl war, was man diesen Nachrichten (Sat1) durchaus ansah. Aber Sat1 hat bei weitem nicht die Reichweite von Fox, sowenig wie n24 die Reichweite von FoxNews, das heute seine Kommentatoren massiv gegen Obama hetzen lässt. Murdoch steht natürlich auch für MySpace, eine Plattform die vor allem für Bands wichtig ist: In einem Monat wird dort über eine Million Songs dort gehört oder auch heruntergeladen.MySpace nutzen aber auch progressive Gruppen, ich nutze es für meine internationale Vernetzung mit grünen und pazifistischen AktivistInnen, inzwischen auch dort über 300 mit mir vernetzte Gruppen und Personen, von den Iraq Soldiers Against the War bis zu Grünen Jugend Regionalgruppen und den Grünen in Canada.

Fernsehen-Widget by Eay

Diskutiert wird in München unter dem Titel “Werbung im Wandel” über Medien im Allgemeinen und Fernsehen im Besonderen mit einer breiten Runde in der die Hochkultur von Hubert Burda vertreten wird, als Kunstgeschichtler und Kunstliebhaber, Laudator für Peter Handke beim Thomas Mann Preis, auf Petrarcas Spuren auf den Mont Ventoux gestiegen und immer dabei sich philosophisch fortbildend. Die Zukunft wird vertreten durch Philipp Schindler, den Chef für Nord- und Zentraleuropa von Google, dessen Allmacht im Zukunftsmedium Internet vielleicht diskutiert aber nicht kontrolliert wird.

Schindler immerhin erkennt an dass Google nicht die Treiber der Innovation sind, sondern dass die radikale Bewegung der jüngeren Mediennutzer es sind, die die Innovation treiben, die ihre Gewohnheiten jederzeit rasch ändern und von Medienkonsumenten zu Mediennutzern wurden. Google ist bei diesen Bewegungen nur technischer Anbieter – und muss Partner der Nutzer und nicht nur der Werbetreibenden sein.

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