Arabisch-Amerikanischer Dialog: Wie ist das mit der Armut?

Make Poverty History! by rogiro

Mit dem heutigen Abend begann das fünfte Jahr des Amerikanisch-Arabischen Dialogs, der im Deutsch-Amerikanischen Institut (d.a.i.) in Tübingen stattfindet, einem der Überbleibsel aus der Zeit einst zahlreicher Amerika-Häuser in Westdeutschland. Gut besucht, diesmal mit deutlich mehr AraberInnen als AmerikanerInnen – aus Palästina und Jordanien, aus Iran oder Algerien, mit Vätern aus Syrien oder dem Volk der Berber. Wie immer auch mit einigen Deutschen, diesmal zum Thema Armut mehrere regelmässige TeilnehmerInnen der Tübinger Montagsdemonstrationen, neu eine Gruppe junger Biologinnen (an dieser Stelle einen Gruss an die GJ-bewegte Biologie-Fachschaft in Würzburg) und wie immer mit seiner erfrischenden Aussensicht auf all diese Weltgegenden Bruce aus Australien.

Thema diesmal., anlässlich der Aktionswoche Armut, die Armut in den beiden Weltregionen, ihre Hintergründe und mögliche Maßnahmen. Zwei Impulsreferate stellten kontrastierend die Situation der Armut in Palästina, vor allem dem Gaza-Streifen, und in den USA, vor allem in den Südstaaten vor. Wer glaubt, das Territorium des historischen Palästina sei in zwei Hälften geteilt kann in Mathematik nicht aufgepasst haben: Von 28.000 qm2 sind 22.000 beim Staat Israel und nur 6.020 beim werdenden palästinensischen Staat, davon der allergrösste Teil in der Westbank – nur etwa als 360 qm2 machen den Gaza-Streifen aus, und in diesem Gebiet, weit kleiner als das des Landkreises Tübingen, leben 1,5 Millionen Menschen. Die Armut dort ist von aussen gemacht durch die israelischen Blockaden, die nicht nur die 60-80Tausend PalästinenserInnen und ihre Familien, die zuvor von Arbeit in Israel gelebt haben, von ihrer Einkommensquelle abschneidet, sondern auch Energie- und Rohstoffzufuhr unterbricht und Hilfslieferungen von aussen deutlich erschwert. Zu etwa 60% der zur medizinischen Grundversorgung in Palästina gehörenden Medikamente etwa besteht durch die Blockadepolitik Israels im Gazastreifen kein Zugang. Auch internationale Unterstützung ist ausgeblieben seit die demokratisch gewählte Hamas 2006 an die Macht gewählt wurde, die von US-nahen Staaten als terroristisch eingestuft und nicht anerkannt wird. Die Taktik, durch Aushungern von aussen eine Stimmung gegen die gewählte Regierung zu erzeugen funktiniert hier nicht: Es ist Hamas mehr als zuvor und andernorts die Fatah, die karitativ tätig ist und ein soziales Netz zur Verfügung stellt, das den Armen etwas hilft.

American Poverty by Monroe's Dragonfly

Auch die USA haben ihre eigene Armut - und bei aller Unvergleichbarkeit der Lebensverhältnisse ist es auch dort so dass wirklich Arme, in den schwarzen Vorstädten von Louisiana oder Mississippi, auf ihre eigenen oder die kirchlich-karitativen sozialen Netzwerke angewiesen sind weil es kaum Ansprüche des Einzelnen Armen an den Staat gibt.

(To be continued)

* Presseerklärung der Fraktion GUE/NGL im Europaparlament zum Armutsbericht der OECD

* Veranstaltung mit Planspiel zu Allerheiligen: Europa vor dem Ansturm der Armen? Europäische Sicherheit und die „Dritte Welt“

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