Bildungsgipfel enttäuscht

“Das Geschäftsmodell eines Saunabetreibers ist nicht heisse Luft” habe ich letzthin gelesen. Anders, so scheint es, ist es mit den Gipfeln der Bundeskanzlerin und ihren Reden von der “Bildungsrepublik Deutschland”. Bildung ist eine zentrale Aufgabe. Aber… Einer der passendsten Kommentare dazu erschien in der nicht gerade als linksliberal geltenden “Südwest-Presse”:

“Die Kanzlerin sagt es nicht selbst. Sie lässt es sagen: Viel entscheidender als alles Geld für die Bildung seien gute Lehrer. Diese Weisheit streut Kanzleramtschef Thomas de Maizière derzeit unters Volk, das staunend zur Kenntnis nimmt, mit welchen Summen die Politik in Berlin seit neuestem zu jonglieren weiß. Man ahnt, worauf die Öffentlichkeit, worauf Schulen, Wirtschaft und Eltern eingestimmt werden sollen. Die Erwartungen, die Angela Merkel mit der Ankündigung geweckt hat, Bildung zur Chefsache zu machen, dürften sich (…) kaum erfüllen. Die gerne zitierte nationale Kraftanstrengung droht zu scheitern, weil zum einen Bund und Länder wie ungezogene Schüler auf dem Pausenhof herumrangeln.(…) (Quelle)

Litfaßsäulen mit dem Thesen zum BildungsgipfelEinen eigenen Bildungsgipfel hat der DGB vor ein paar Tagen unter dem Titel “Neue Bildung für das Land” abgehalten, um die Forderungen abzustecken die nach Überzeugung der Gewerkschaften für mehr Bildungsgerechtigkeit notwendig sind. Nicht nur mehr Geld (aber auch), sondern ein Grundrecht auf gute Bildung. Die ausführliche Dokumentation des DGB-Kongresses bietet sinnvolle Nachlese dazu. Als staatliche Daseinsvorsorge müsste bei Bildung Privatisierung verhindern, die Gebühren müssten abgeschafft werden. Wesentlich, so die vierte der zehn Thesen, ist die Frühförderung: Die KITAs müssen verbessert werden. Als Vorsitzender des Landeselternrats Baden-Württemberg (LER) und zweiter Vorsitzender des KITA-Bündnisses für Bildung und Erziehung kann ich da nur ausdrücklich zustimmen. Dazu gehört auch und vor allem die Verbesserung der Personalsituation – und damit auch der Situation für das Personal, für die Erzieherinnen. Und nach der KITA geht es an der Schule weiter.

Wer selbst schon länger nicht mehr in mehr als einer Schule war kann sich im Wortsinne ein eigenes Bild machen und dieses Video bei Spiegel.de über Förderbedarf im Volksschulbereich mit einer “NDH” Schule anschauen. Aus dem “Musterländle Baden-Württemberg” nochmal der Kommentar der Südwest-Presse:

Vieles ließe sich halbwegs ertragen, wäre unser Bildungssystem im internationalen Vergleich nicht nur müdes Mittelmaß und investierten andere Staaten nicht kräftig in ihre Kindergärten, Schulen und Hochschulen. Die hiesige Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners ist so skandalös, weil die Mängel seit Jahren sichtbar sind. Alle leiden darunter – Schüler, Lehrer, Eltern, Wirtschaft und Gesellschaft. Steigen wir in die Niederungen des Alltags hinab: verdreckte Klassenzimmer, die seit Jahren auf einen frischen Anstrich warten; stinkende Schultoiletten, die zuletzt in den 70er Jahren renoviert worden sind; (…)

Im übrigen: Wie lange sollen Bildungschancen noch davon abhängen, in welchem Bundesland ein Kind aufwächst? Nach der Schule ist der K(r)ampf noch nicht zu Ende. Obwohl in fünf Jahren, so Experten, 500 000 Akademiker fehlen werden, legt man die Hürden möglichst hoch. Um die viel zu knappen Studienplätze gibt es ein Hauen und Stechen. Gleichzeitig leistet man sich Studiengebühren, die Tausende abschrecken. (…) Gute Lehrer braucht das Land, wohl wahr. Kaum zu glauben, dass man sich um diesen Job nicht reißt. (Quelle)

[ Mehr zum Thema Bildung hier auf http://gruene.wettach.org ]

Entsprechend enttäuscht die ZEIT:

* Merkels Mogelpackung

* ZEIT-Kommentar: Eine verpasste Chance

[ Mehr zum Thema Bildung hier auf http://gruene.wettach.org ]

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