Kohlekraftwerk Brunsbüttel am Kippen? Iberdrola steigt aus.

Gruenes Klima

Zweifel an Wirtschaftlichkeit neuer Kohlekraftwerke wachsen.

Iberdrola wollte ursprünglich als Joint Venture Partner der SüdWestStrom mit 51 Prozent der Anteile der Hauptgesellschafter am Steinkohlekraftwerk für rund 3,3 Milliarden Euro werden. BI-Sprecher Dr. Arne Firjahn hofft nun auf „Signalwirkung“ für andere Kommunen und Stromkonzerne, auch nicht mehr in klimaschädliche Kohlekraftwerke zu investieren.

Brunsbüttel, 10. Oktober 2008: Der spanische Energiekonzern Iberdrola wird sich nicht am Steinkohlekraftwerk in Brunsbüttel beteiligen, dies bestätigte Bettina Morlok, Geschäftsführerin der in Tübingen ansässigen SüdWestStrom Kraftwerk GmbH & Co KG, auf Anfragen von Industrievertretern und Ratsmitgliedern der Stadt Brunsbüttel. In der bisherigen Kooperation sollte SüdWestStrom die Standortsicherung und das Genehmigungsverfahren übernehmen und Iberdrola das technische Know-how für den Bau liefern. Iberdrola hätte 51 Prozent der Investitionskosten getragen und auch die entsprechende Menge Strom für die Eigenvermarktung erhalten. Als Ausstiegsmotiv des spanischen Stromversorgers gelten vor allem wachsende Zweifel an der Wirtschaftlichkeit neuer Kohlekraftwerke.

Vor wenigen Tagen hat der Umweltausschuss im Europaparlament sich überraschend hinter die Vorschläge der EU-Kommission zum CO2-Emissionshandel gestellt: Ab 2013 sollen auch Stromkonzerne alle benötigten CO2-Zertifikate zu 100% ersteigern müssen. Ihre Preise werden mit zunehmender Verknappung ebenso steigen wie die Kohlebeschaffungskosten. Der Betrieb von Kohlekraftwerken, die mehr solcher Zertifikate benötigen als alle anderen Anlagen zur Stromerzeugung, wird damit immer unwirtschaftlicher.

Erst vor kurzem ist Iberdrola der globalen Initiative zur Bekämpfung des Klimawandels „Caring for Climate“ beigetreten, welche von den Vereinten Nationen unterstützt wird. Die Mitglieder dieser Initiative verpflichten sich zu einer Reduktion der CO2-Emissionen in ihren Aktivitäten.

Vor diesen Hintergründen ist es nur folgerichtig, wenn Iberdrola aus dem Kohlekraftwerk Brunsbüttel, welches in unauflösbarem Widerspruch zu den nationalen und europäischen Klimaschutzzielen steht und dessen wirtschaftlicher Betrieb nicht gesichert ist, aussteigt und stattdessen in ökologisch und wirtschaftlich sinnvollere Lösungen investiert.“, sagte Firjahn, Sprecher der Bürgerinitiative für Gesundheit und Klimaschutz Unterelbe. Bereits im September hatte Iberdrola erste Teilgenehmigungen für ein in Ludwigsau (Hessen) geplantes hocheffizientes 1100 Megawatt Gas-Kombi-Kraftwerk erhalten. Ein weiteres Gas-Kraftwerk plant Iberdrola in Lauchhammer (Brandenburg). Das in Brunsbüttel geplante Kohlekraftwerk ohne Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt pro Kilowattstunde fast viermal soviel CO2 wie ein gleich großes Gas-Kraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung.

Für die SüdWestStrom Kraftwerks-Beteiligungsgesellschaft bedeutet der Ausstieg von Iberdrola aus dem Projekt eine bedrohliche Entwicklung. Schließlich sollte Iberdrola die Hälfte des Kraftwerks in Brunsbüttel finanzieren. Bisher beteiligen sich rund 70 Stadtwerke und Energieversorger, größtenteils aus Süddeutschland, der Schweiz und Österreich, mit insgesamt etwa 400 Megawatt am geplanten Kraftwerk. Mit dem Ausstieg von Iberdrola sind nun von den 1800 Megawatt des Kraftwerks noch für ca. 1400 Megawatt Beteiligung und Finanzierung offen. Auch die Stadtwerke der Gemeinden Konstanz, Hammelburg, Ravensburg, Walldorf und Wasserburg a. Inn sind inzwischen aus ihren Beteiligungen ausgestiegen. Weitere Gemeinden haben derweil ihre geplanten Beteiligungen zurückgezogen.

Für Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer wäre ein Scheitern des geplanten Kohlekraftwerks eine Chance, das Saubermann-Image des engagierten Klimaretters unbefleckt zurück zu erhalten und für Südweststrom auf den ursprünglichen Plan eines Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerks mit Wärmekoppelung zurück zu kommen.

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