Systemfragen – Widerstand Macht Perspektiven

Dieser Tage bin ich wie angekündigt bei der Herbstkonferenz der Anti-Akw Bewegung in Braunschweig. Aus der Stadt “zwischen Asse und Schacht Konrad” komme ich ja ursprünglich, hier habe ich (den Kreisverband Braunschweig der Grünen und) die erste Grüne Jugend mitgegründet, von hier aus bin ich nach Brokdorf (was eine ältere Teilnehmerin bezweifelte: “da war der doch nioch gar nicht dabei”) und in die Republik Freies Wendland nach Gorleben. (Nach Wackersdorf bin ich dann schon von Tübingen aus).

Herbstkonferenz der Anti-AKW-Bewegung in Braunschweig

Erstes Plenum mit einem Rückblick auf “40 Jahre Widerstand gegen AKWs”, auch wenn ich ab Wyhl 73 nur 35 Jahre zähle und als Heldenjahre vor allem die Jahre 1976/77 gezählt werden, von denen ich noch nicht wirklich was mitbekommen habe, bzw nur rückblickend über die Fotografien von Günter Zint und die Erzählungen der Altvorderen. 29 Jahre aber habe ich mitgemacht und mitbegleitet – weshalb mich dann ärgert dass mit Fritz Storin der Vertreter der historischen Autonomen die Grünen nur als Teil des Systems und deshalb als Teil des Problems sieht – und als Verräter an der Sache mit dem Atomausstiegsbeschluss, weil der die Laufzeiten garantierte und die jetzige Verschiebung von Restlaufzeiten jüngerer AKWs auf ältere ermöglichte, mit denen die Altmeiler jetzt von einer Legislaturperiode in die nächste gerettet werden, bis eine AKW-freundliche Mehrheit doch noch zustandekommt. Graefe Baringdorf wird kritisiert auch von Hanna, der jungen Aktivistin auf dem Podium,mit seiner Rede auf der Biodiversity Demonstration dieses Jahres, weil er dort gesagt hatte es müsse gelingen, “die Gentechnik zu besiegen so wie wir die Atomkraft besiegt haben”- hätten wir die Atomkraft besiegt, so die Mehrheitsmeinung im Panel, dann würden die deutschen AKWs nicht heute noch weiter laufen.

Ursula, die über den Kampf gegen Wackersdorf zur Anti-AKW-Bewegung gekommen ist, kritisiert, dass die Autonomen sich nach Tschernobyl 1986 aus der Anti-AKW-Bewegung zurückgezogen hätten. Die Zäsur der Bewegung sieht sie darum nicht 1990 mit der Krise der Linken, sondern mit dem Bundeskongress 1986/87 in Frankfurt, bei dem die Autonomen ihr Engagement in der AntiAKW-Bewegung beendet hatten, weil es nun möglich schien, die AKWs zu stoppen ohne die Systemfrage zu stellen, ohne den Kapitalismus als solchen anzugreifen. Mit den Becqerel-zählenden Müttern wollte man nicht zusammen agieren…

Das erinnert mich an Diskussionen bei Attac, wo es bei der ersten Europäischen Sommeruniversität Anfang August dieses Jahres auch nicht gelang, den Kampf gegen AKWs zu einem gemeinsamen Thema zu machen – weil viele lieber gegen “das System” oder den Kapitalismus oder die Globalisierung kämpfen wollen. Dass heute reine Marktwirtschaftler unsere Verbündeten sein können, weil sie gegen marktfremde Subventionen für neue AKWs sind – was die Neubaudiskussion in Grossbritannien und Frankreich beenden würde, weil ohne Subvention des Neubaus und der Endlagerfrage die Kosten den Nutzen für die Industrie weit übersteigen würden – das will manchen hier nicht in den Kopf.

Dennoch oder gerade deshalb - die Herbstkonferenz ist wichtig um zu sehen welche Aktionsformen und welche Gruppen hier zusammenfinden und zusammengebracht werden können um eine neue Anti-AKW Bewegung aufzubauen, die eine gebtsmühlenhaft in den Medien beschworene Renaissance der Atomkraft zu verhindern und die Atomindustrie endlich endzulagern. Es ist wichtig dass wir etwa diskutieren, ob Campact! mit seinen Anti-AKW-Klicks ein Einstieg in den Widerstand sein kann – oder als Placebo ein Aktionsersatz ist der den TeilnehmerInnen das Gefühl gibt “etwas getan zu haben” und Teilnahmezahlen bereits als Erfolge verkauft, auch wenn die Klicks nichts bewirken. Früher war die Mobilisierungskette “Unterschriftensammlung (da stünden heute die Klicks von Campact) – Kundgebung – Latschdemo – Widerstand”. Um die Menschen mitzunehmen wäre es, wenn man mit Campact zusammenarbeitet, wichtig eine Möglichkeit zu haben die Teilnehmenden dann über Campact zu erreichen und ihnen sagen zu können: So, dass war die Unterstützungssammlung – und jetzt kommt alle die ihr unterstützt habt zur Kundgebung am 9.11. in Gorleben… Nur so wird aus Klicks und Facebook-Gruppen-Mitgliedschaften auch tatsächlich eine fühlbare Widerstandsbewegung gegen die alten und neue AKWs – und gegen falsche und gefährliche “Lösungen” in der Lagerung radiaktiven Mülls.

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3 Kommentare zu “Systemfragen – Widerstand Macht Perspektiven”

  1. Abschlusserklärung der Anti-Atom Herbstkonferenz 08 - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach - http://gruene.wettach.org schreibt:

    [...] Systemfragen – Widerstand Macht Perspektiven [...]

  2. Grüne gegen Atom-Union - Für das Stillegungssymposium am 09.11. - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach - http://gruene.wettach.org schreibt:

    [...] Systemfragen – Widerstand Macht Perspektiven [...]

  3. Castor 2008: Wir Grünen stellen uns quer! - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach - http://gruene.wettach.org schreibt:

    [...] Grünen Aktivitäten im Umfeld der bundesweiten Gorleben-Demonstration. Noch im September bei der Herbstkonferenz der Anti-AKW-Bewegung in Braunschweig bin ich ziemlich allein darin gewesen, die Grüne Fahne hochzuhalten, Grüne [...]

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