Sven Giegold wird Grüner Europakandidat

Attacis bei Friedensdemo in Brüssel. Bild: CC zugaldia/FlickR

…was die taz unter dem Titel “attac linkt Grüne” vermeldet (dazu gibt es auch ein taz-Interview und einen taz-Kommentar). Malte Spitz, GJ’ler und Bundesvorstandsmitglied, freut sich darüber, die linksgrüne Parteirätin Julia Seeliger stimmt Fangesänge an, Till Westermayer nimmt das interessiert zur Kenntnis … und ich?

Ich freue mich, dass Sven Giegold mich heute angerufen hat um mit mir über seine Kandidatur zu sprechen. Auch wenn es meine eigenen Chancen in meiner EP-Kandidatur nicht unbedingt erhöht (bin ich doch ‘nur’ in der EU-AG von Attac und weniger medienpräsent) begrüsse ich Svens Absicht zu kandidieren ausdrücklich.

Es kann nicht genug gute KandidatInnen geben – da wir viele haben sollten wir das meiner Überzeugung nach auch zeigen und die Länge der Liste entsprechend erweitern, je mehr absehbar wird dass wir viel mehr KandidatInnen haben. Dem Europawahlkampf vor Ort kann das nur nutzen.

Die Meinung des Tübinger Europaabgeordneten Tobis Pflueger (GUE/NGL), Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von Attac, zu Svens Kandidatur teile ich an dieser Stelle nicht: Ob Sven einen “sehr schweren Stand in der Fraktion haben wird” zeigt sich erst wenn wir die Liste gemacht haben und abschätzen können wie die nächste Fraktion aussieht – und wie anders als die bisherige.

In der EU-AG von Attac gibt es jetzt heftige Kritik an neueren Aussagen, mit denen sich manche Kriegseinsätze rechtfertigen lassen (Sven geht der Göttinger Beschluss weit genug) und Frust dass es nicht die Linkspartei geworden ist (und wie er das begründet) – aber IMHO wird das auch Attac-Intern als gut für Attac gesehen, wenn es Attacis gelingt das an Positionen was Schnittmenge ist, ins EP zu tragen.

4 Kommentare zu “Sven Giegold wird Grüner Europakandidat”

  1. Oliver Hajunga schreibt:

    Ich finde es auch toll, dass wieder Leute von NGOs auf unsere Listen wollen. Das tut beiden Seiten gut, wie es im TAZ-Kommentar beschrieben ist.

    Die Kritik von Tobias Pflüger ist dadurch zu erklären, dass Giegold und Lochbihler die Strategie der Linken durchkreuzen. Die Strategie, die Grünen als liberale Partei des Bürgertums darzustellen, die mit sozialen Bewegungen nichts zu tun hat. Und dadurch grüne WählerInnen abzugreifen.

    Dabei ist die Linke selbst eine traditionelle Links-Partei, also eine Partei aus der Arbeiterbewegung. Die haben mit den “neuen sozialen Bewegungen” (Umwelt, Feminismus, BürgerInnenrechte, dritte Welt) nicht viel zu tun. Sie stehen vor allem für die alte Bewegung.

    Grüne Grüsse.

    Oliver

  2. WGW schreibt:

    Tobias ist ja selbst kein “Altlinker” sondern als Parteiloser Friedens-NGO’ler (DFG/VK und IMI) ins Europaparlament gekommen, hat den Linken gesagt “nehmt mich oder lasst es bleiben” und sie haben ihn genommen – womit sie gut beraten waren.

    Tobias leistet gute Arbeit, das gestehen auch Leute aus anderen Fraktionen ihm zu. Dass er inzwischen bei den Linken eingetreten ist – je nun, heutzutage verlangen sie das wohl. Muss er wissen.

    Zähle ich für Dich eigentlich auch als “Leute von NGOs” die “auf unsere Listen wollen”? Oder siehst du mich eher als Grünen der eben auch z.B. bei Attac ist?

    Grüne Grüsse zurück.

    Wolfgang

  3. Oliver Hajunga schreibt:

    Hallo Wolfgang.

    “Leute von NGOs” sind für mich Personen die

    1) noch nicht in einer Partei waren und deshalb nicht parteipolitisch/taktisch denken. Dieses ständige schauen auf Umfragewerte, die veröffentlichte Meinung, das Verhalten der anderen Parteien usw. zerstört jede Kreativität. Die Parteitage werden mediengerecht inszeniert (die USA lässt grüssen) und jeder Vorschlag der nicht in die offizielle Linie passt wird schon im Vorfeld abgebügelt.

    2) als NGO-VertreterInnen in der Öffentlichkeit bekannt sind. Diese Leute stehen für bestimmte Inhalte und helfen uns Grünen, zu (un)recht verlorene Glaubwürdigkeit wiederzugewinnen.

    Zu 1): Ob du dich vom Parteiendenken befreien kannst weiß ich nicht. Du warst zwar lange Zeit in NGOs aktiv, bis aber auch schon mit sechzehn in die Partei eingetreten. Wie schätzt du das denn ein?

    Zu 2): Ich glaube, du hast noch nicht für Attac in Talk-Shows gesessen. Oder habe ich die falschen Sendungen gesehen?

    MfG

    Oliver

  4. Wolfgang G. Wettach schreibt:

    Zu 1) Ich habe die letzten zehn Jahre keinerlei Parteiposten innegehabt – das mag man in manchen Seilschaften als Nachteil sehen, dass ich selbst keine habe. Ich empfinde es als Vorteil, dass ich wesentliche Erfahrungen in der “realen Welt” gemacht habe, Firmen in Deutschland und England gegründet und viele Firmengründer, auch aus dem Bereich der erneuerbaren Energien und der Umwelttechnik, beraten (und nicht mit einem Kamerateam besucht) habe.

    Ich habe in den Jahren nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich Grüner bin und/oder mich als solchen sehe, nicht bei der DFG/VK, wo ich in BS deshalb in den Vorstand gewählt wurde, um für die DFG/VK den Kontakt zu den Grünen zu halten, und nicht in der EU-AG von Attac, wo ich neben Ralf Pichler von den Newropeans zu den europhilen Ausnahmen gehöre.
    Parteitaktisch musste ich deshalb trotzdem nicht denken, jedenfalls nicht vor meinem Entschluss, als Grüner Europakandidat anzutreten.

    Feedback darüber ob meine Postings hier (oder meine Aussagen bei den vielen Veranstaltungen dieses Jahres) als zu taktierend aufgefasst werden, dh ob ich mich z.B. zum Thema Brunsbüttel zu zurückhaltend äussere, nehme ich gerne entgegen.

    Zu 2) Wenn Du mich die letzten Jahre nicht im Fernsehen gesehen haben solltest liegt das nicht an den falschen Talkshows. In klassischen Talkshows war ich überhaupt nicht zu sehen – wenn auch in den Dritten bisweilen (BR Rundschau, WDR Aktuelle Stunde, SWR Landesschau, BR Lesezeichen, SWR Kaffee oder Tee). Aber, da hast du zweifellos recht, nicht als Attac-Vertreter oder Grünen-Politiker.
    Als Grüner Attac-Europäer bin ich darum nicht in der Öffentlichkeit, wohl aber bei Attac bekannt.

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>