Spieler verteufeln, Waffen erlauben? Gewaltprävention geht anders!
Worum geht es? Um Spiele. Weltspieletag war gestern, heute wird mal wieder verboten, zum Beispiel ein Spieleabend in Karlsruhe, konkret die Intel Friday Night Games IFNG, die Bundesliga des ESports. Es gab und gibt auch Grüne, die Bedenken gegen diese Spiele haben, vor allem aber gibt es dazu mehrere Positionen, auch bei Grünen. Ich habe meine Position dazu in einer Erwiderung auf die “Jungen Piraten” geschrieben, die Jugendorganisation der neuen “Piratenpartei”,die jetzt auch zur Europawahl antritt (und vornehmlich sonst Grünwählende anspricht, in Stellungnahmen darum besonders die Grünen angreift);
Bitte in der Kritik an uns Grünen die Verhaeltnismaessigkeit wahren, die man sich in der Kritik an sog. Killerspielen wünscht.
Zwei kommunal aktive Mitglieder aus Karlsruhe sind durchaus nicht “Die Grünen”. Nicht mehr jedenfalls als zB Landesvorstandsmitglied Chris Kühn, selbst aktiver Gamer, oder ich der ich die Landesgrünen auf Bundesebene vertrete was Europapolitik angeht, selbst LARPer bin und an der Übersetzung des Ego-Shooters Genetic Species (Amiga) mitgewirkt habe.
Dass Spielverbote dumme und falsche Placebo Maßnahmen sind hat übrigens auch Claudia Roth gestern in ihrer Ablehnung des Paintball-Verbots erklärt. Sie als Bundesvorsitzende ist eher Stimme der Partei.
Ich bin es gerne auch, auch als einer von vielen Grünen unter den ersten 50000 UnterzeichnerInnen der #zensursula Petition.Schaut euch die guten Beschlüsse der BDK an und reden wir über gemeinsame Ziele. Dazu gehört dann auch Aufklärung der Nichtgamer. Als Leiter des Runden Tischs Gewaltprävention meiner Region und Vorsitzender des Landeselternrats LER und Grüner leiste ich meinen Anteil.
Das Darktiger-Blog befasst sich dagegen besonders mit der Haltung der CDU:
Interessant an der ganzen Angelegenheit ist eigentlich, mit welchem Selbstverständnis die CDU an die Sache herangegangen ist. Getreu dem Motto, was nicht in unser Weltbild passt, gehört verboten, wird dazu aufgefordert und zur Not per Gemeinderratsbeschluss entschieden, dass rechtsgültige Verträge gebrochen werden sollen. Ingo Wellenreuther, CDU-MdB und Karlsruher CDU-Chef stellt eiskalt fest: “Solche Spiele sind mit dem Werteverständnis der CDU nicht vereinbar. Die Absage ist deshalb die einzig mögliche und richtige Konsequenz.” Was also nicht in das “Werteverständnis” der CDU passt, gehört verboten. Waffen gehören zum Werteverständnis der CDU, denn die sollen ja auch nicht verboten werden, die brauchen die ja auch, um alles zu vernichten, was nicht ins CDU-Werteverständnis passt. Kaum zu glauben, dass so ein Subjekt mal Richter war… Unfassbar.
Dann ziehen Sie sich auch schon mal warm an. Ich hoffe Sie haben keine solche “Killerspiele” wie die Siedler, Age of Empires oder SpellForce zu Hause. Ja, das sind alles Strategiespiele und die wurden als Killerspiele abgestempelt. Da behauptet ein Herr Wellenreuther auch kackendreist weiter, dass es in den besagten Spielen (Warcraft 3 = Strategie = FSK 12 und CounterStrike = Shooter = FSK 16) darum geht “möglichst viel und möglichst grausam zu morden“. Leider wurden, wie gesagt, auch die ElternLANs mit der E-Sprts-Veranstaltung abgesagt. Ziel dieser Veranstaltung ist es, Eltern und Lehrern unter pädagogischer Anleitung den Einstieg in die Medienwelt ihrer Kinder und Schüler zu erleichtern. Vielleicht hätte Herr Wellenreuther mit seinen Karlsruher Parteifreunden einfach mal die Chance ergreifen sollen und solch eine Info-Veranstaltung besuchen sollen.
Im Rahmen der Aufklärung von Erziehenden sind gerade Eltern-LANs ausdrücklich zu begrüssen und werden von der Bundeszentrale für politische Bildung BPB unterstützt. In Köln, Dresden, Essen und Bremen sind solche Veranstaltungen angesetzt – Karlsruhe wird diese Aufklärung, wie Stuttgart, jetzt fehlen. Hilfsweise etwas Aufklärung mit dem folgenden Gegendarstellungsvideo zum Thema “Killerspiele”:
Viele Argumente gegen ausgiebiges Spielen sind in der Kulturkritik der Vergangenheit auch gegen andere Medien aufgebracht worden, früher waren “Horrorvideos” der Schrecken, davor der “Lesehunger” mit dem man sich in Büchern verlieren konnte – Don Quixote kann ein Lied davon singen.
Natürlich ist es gut, junge Menschen auch vom Computerspiel in den Wald zu bringen, wie das als Präventionsprojekt gegen exzessives Spielen schon getan wird. Wenn Spieler dann aber selbst schon in den Wald ziehen um dort mittelalterlich-phantastisches Improvisationstheater, kurz LARP (Live Action Role Playing) zu spielen. dann sollten die Verantwortlichen sich freuen und nicht – wie jüngst in Dortmund geschehen, auch solche Fantasy-Events im Freien noch zum gegenstand von Verboten unter Berufung auf den Amoklauf von Winnenden machen und das auch noch “Gewaltprävention” nennen. Was die Probleme sind und was die richtigen Schritte sein können, welche Möglichkeiten Lehrende, Erziehende und Politiktreibende haben, werde ich in einer öffentlichen Sitzungdes Runden Tisches Gewaltprävention RTG Tübingen am 23. Juni 2009 behandeln, der sich um 19:30 Uhr im Institut für Friedenspädagogik in der Corrensstrasse trifft. Mit dabei sein wird neben TIMA und Pfunzkerle, die von ihrem EU-geförderten Projekt zur Häuslichen Gewalt berichten, die Pädagogin Martina Hoanzl von der FH Reutlingen, die zum Massaker von Erfurt geforscht hat und eine Vorlesungsreihe zu den Folgen von Winnenden vorbereitet.
Erstellt am Freitag, 29. Mai 2009
Kategorie: Deutsch, Termine | 11 Kommentare »












