Dieser Tage wird an den richtigen und wichtigen Stellen über ein Thema geredet, was uns die nächsten Jahrzehnte beschäftigen wird – und was entscheiden wird, wie wir die nächsten Jahrzehnte dastehen werden, in der Gesellschaft und in den Debatten: Bildung.
Gleich nach der Sendung “hart aber fair” zum Thema Lehrer&Bildung, bei der für die Konservativen Günter Oettinger die Politik der Südländer verteidigte, begann die Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre “Bildungsreise” – mit einem Besuch in einem sehr guten katholischen Kindergarten in Hessen, zusammen mit dem abgewählten Ministerpräsidenten Roland Koch. Darüber lässt sich viel sagen – und zum Teil will ich das hier tun. Oettinger auf der einen Seite täte gut daran, seinem Kultusminister Rau nicht nur mehr den Rücken zu stärken, sondern auch ihm mehr Raum zu geben für moderne Schulformen – wie die Neue Sekundarschule Tübingen, für die ich mich einsetze. Merkel auf der anderen Seite tut gut daran anzuerkennen, dass Bildung schon im Kindergartenalter beginnt – aber sie sollte nicht versuchen das Signal zu senden dass private Anbieter die Lösung für die staatlichen Bildungsprobleme sind.
Bildungsgerechtigkeit an den Schulen – durch längeres gemeinsames Lernen
Ein paar Zahlen vorab. Daniel Mouratidis, Grüner Landesvorsitzender in Baden-Württemberg, wies vor einigen Tagen auf das oben abgebildete Mai-Heft meines Lieblings-Wirtschaftsmagazins brand1 hin, das Bildung zum Schwerpunkt hat (und mit einem Klick auf das Titelbild im Volltext online gelesen – oder hier in der gedruckten Ausgabe bestellt werden kann). In der Rubrik: “Die Welt in Zahlen” findet sich folgendes:
Anteil der Zehnjährigen, die für das Gymnasium empfohlen werden und deren Eltern maximal einen Hauptschulabschluss haben, in Prozent: 4
Anteil der Zehnjährigen, die für das Gymnasium empfohlen werden und von denen mindestens ein Elternteil Abitur hat, in Prozent: 72
Daniel schreibt dazu:

Dazu passt die heutige Meldung in der Stuttgarter Zeitung. 60 Prozent aller Studienanfänger haben mindestens ein Elternteil mit akademischer Bildung. 1993 waren es nur 49 Prozent. Nicht verwunderlich, woher sollen die Studenten auch kommen, wenn die meisten bereits im Alter von 10 Jahren vom System aussortiert werden? Es scheint also, als ob Bildunsgaufstieg immer schwieriger wird.
Umso mehr ein Grund, sage ich, nach den Erfahrungen mit der vorbildlich ausgezeichneten (staatlichen!) Französischen Schule in Tübingen, die oft hervorragende Arbeit der Grundschulen dort nicht enden zu lassen, sondern unsere Kinder länger gemeinsam lernen zu lassen und weitere Schul- und Bildungsformen später folgen zu lassen, nach der 9. oder 10. Klasse. Wie beim persönlichen Testgespräch bei der Uni-Bewerbung zeigen auch alle Erfahrungen mit Schulempfehlungen, was die Statistik oben bestätigt: Am ehesten empfehlen die Begutachtenden ‘ihresgleichen’, also Personen aus den selben bildungsbürgerlichen Schichten wie sie selbst. Ein Aufstieg durch Leistung wird so schon von Anfang an unnötig erschwert. Weiterlesen »