Archiv für April, 2008

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr…

Hilary Clinton - CC: marcr/FlickR…als dass Hilary Clinton nochmal ins Weisse Haus einzieht? Wer weiss. Heute ist Earth Day, darum wird die Frage gestellt, wer unter den Kandidierenden im Präsidentschaftswahlkampf am ehesten die Umweltprobleme angehen wird (und was sie bisher dazu gesagt haben). Vielleicht hat Alec Baldwin Recht, der in seinem Blog bei Huffington Post schreibt, ein Weisser US-Rassist würde vermutlich jederzeit eher Barak Obama wählen als eine Frau, zumal als diese Frau. Die Unterdrückung der Frauen geht einfach noch länger zurück und sitzt noch tiefer als die Unterdrückung der Schwarzen…

Update 1: Vor den Ergebnissen aus PA Bill Bennett, ein Kommentator bei CNN (und DrogenZar unter Bush sr.): “Ich hörte ‘Clinton widmet sich jetzt sehr den Frauen’ und war froh als ich rausfand dass sie Hilary meinten.

Update 2: Hilary Clinton hat diese Vorwahl gewonnen und wird sich auf 1988 berufen. Also doch ein Fall für die Realisticrats?

Update 3: Was sagt Julia Seeliger, Aktivistin, Bloggerin, Feministin, Politikerin zu dieser Frauenfrage? Sie ist unterwegs auf Hochschultour in Bayern – in Bayreuth (Presse) und Würzburg und anderen Städten – über den Überwachungsstaat, was gut ist, und wird zu anderen Fragen dieser Tage kaum bloggen, was schade ist.

Erstellt am Mittwoch, 23. April 2008
Kategorie: Deutsch | Kommentieren »

Was gibt es zu essen? (2)

Reis - Vom Grundnahrungsmittel zum Luxusgut? CC. claudecf/FlickRNatürlich ist das Thema “Was gibt es zu essen” nicht mit einem Posting abgehandelt – zumal es wesentliche Politiken der Europäischen Union betrifft, neben der Beimischungsrichtlinie vor allem die Gemeinsame Agrar-Politik CAP. Um die Diskussionen dieser Zeit (und dieser ZEIT) wiederzugeben will ich ein paar Links zusammenfassen. EU-Kommissar Andris Piebalgs hat in seinem Blog unter dem Titel “Biofueld and food – regaining a sense of proportion” darauf hingewiesen, dass Biosprit der Sündenbock für die Nahrungskrise sei, die seit Jahrzehnten sichtbare Ursachen habe. Das sieht auf der Financial Times in deren Brüssel-Blog so. Wenn also das Shell-Investment Choren in Freiberg in Sachsen dieser Tage die erste kommerzielle BTL (Biomasse zu Flüssigtreibstoff) Fabrik errichtet, dann gehen nicht deshalb die Reisreserven in den Philippinen zur Neige, sondern aus anderen Gründen, sondern auch und vor allem weil an der Rohstoffbörse in Chicago damit derzeit massicv spekuliert wird, wie Grossinvestor Jim Rogers freimütig zugibt. Allerdings zieht er daraus den Schluss, dass die Preise nach oben überall völlig freigegeben werden müssten, da Getreide noch nicht teuer genug sei um für die Bauern weltweit attraktiv genug zu sein. Das mögen die Hungernden anders sehen, auch wenn die ZEIT schreibt dass die nicht protestieren, weil sie zu sehr mit Existenzsicherung beschäftigt seien – “es protestieren immer die Zweitärmsten”.

Den Biosprit (oder eine Dürre in Australien) für die Krise hauptverantwortlich zu machen ist jedenfalls Unsinn, wie auch die Initiative “Food First” in ihrem Beitrag mit dem prägnanten Titel “Pouring Fuel on the Food” (via) vertritt. FoodFirst versucht aber auch, Akzente gegen die scheinbaren “Gegenstrategien” zu setzen, die jetzt verbreitet werden, ähnlich kurzsichtig als Rezepte wie zuvor die Analysen. “Mehr Künstdünger” oder endlich “mehr Genpflanzen” sind nicht die Lösung, sondern zum Beispiel nachhaltiger Anbau für die Kleinbauern, gefördert von der EU auch wenn es Jim Rogers ärgern mag. Generell gilt aber, was wir auch als ein Fazit beim Grünen Ratschlag erarbeitet haben: “Jede einfache Lösung ist vermutlich einfach falsch.” Biofuel als Lösung für Treibstofffragen anzupreisen ebenso wie massive Monokulturen mit neuen wunderpflanzen wie Jatropha – oder wie Biofuels für die Nahrungskrise verhaften zu wollen. Ich hoffe, mit den Linktips die Debatte oder jedenfalls das Nachdenken hier etwas angeregt zu haben.

* Update: Das Material und der Kurzbericht von der Grünen entwicklungspolitischen Konferenz ist jetzt online.

Erstellt am Dienstag, 22. April 2008
Kategorie: Deutsch | 1 Kommentar »

Was gibt es zu essen?

Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen und ein Stück weit wollten wir die Frage auch mit der von Walter Die drei Wolfgangs: Vlnr Wolfgang G. Wettach, Wolfgang Bayer und Wolfgang SchreinerSchwenninger geleiteten Grünen Landesarbeitsgemeinschaft LAG Internationales beantworten, als wir am Samstag den Entwicklungspolitischen Ratschlag “Mais in den Tank oder Essen auf den Teller?” in Stuttgart veranstaltet haben, an dem wie erwähnt von der Bundesebene auch Uschi Eid und Alex Bonde teilgenommen und zu dem neben unserer LAG viele interessante Referenten von verschiedenen Einrichtungen und NGOs zusammen kamen. Jörg Rupp, der von der LAG Ökologie berichten wollte, konnte nicht selbst kommen da er in der Nacht gerade erneut Vater geworden war (Glückwunsch Jörg, vielleicht doch mehr ‘Vätergrün’ künftig?) - sein Beitrag wurde von MdL Gisela Splett vorgestellt.

Es war heute in den Nachrichten nett zu sehen dass die Nachricht jetzt auch bei Angela Merkel angekommen ist, dass Biosprit einer der Konkurrenten der armen Menschen um Mais und mehr geworden ist, auch wenn Biofuel nur einer der Faktoren ist, die zur Verteuerung der weltweiten Nahrungsmittelpreise beitragen – Spekulationsblasen an der Nahrungs-Börse in Chicago spielen eine mindestens ebenso grosse Rolle. Kurz vor unserem Ratschlag haben übrigens auch die Grünen im Europaparlament dazu eine Stellungnahme abgegeben, genauer Rebecca Harms und Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf:

Wir haben die Kommission und die Bundesregierung frühzeitig vor den Folgen einer Destabilisierung der globalen Lebensmittelversorgung im Zusammenhang mit der einseitigen Förderung der Agrartreibstoffindustrie gewarnt. Es war von Anfang an falsch auf die Verwendung von Getreide für die Treibstofferzeugung zu setzen. Eine verantwortbare Biomassestrategie muss auf konsequente Reststoffnutzung und Effizienz setzen. Durch den Boom für ineffiziente Agrofuelproduktion ist mit gleichzeitig steigender weltweiter Nachfrage nach Getreide für die Fleischerzeugung eine handfeste Konkurrenz um Land und Wasser zwischen Lebensmittel- und Energieerzeugung entstanden.

Grosse Skepsis gegenüber einer Zertifizierung der Herkunftsmaterialien für in Europa produzierten Biosprit war bei unserem grünen Ratschlag verbreitet, auch wenn es von einzelnen als “deutlich besser als Nichts” eingestuft wurde. Ähnlich skeptisch ist auch Rebecca Harms:

Die heute hier in Brüssel durchgeführte Anhörung zu möglicher Zertifizierung von Rohstoffen aus Drittstaaten für die Agrarspritproduktion ist Augenwischerei. Sie hat schon bei den Holzimporten nicht funktioniert.

Übereinstimmung auch bei der Notwendigkeit des Energiesparens, dh auch der Energieeffizienz, als wichtigste Energiequelle für Europas Zukunft:

Der Beitrag der EU sollte deshalb darin bestehen, eine klare Bilanz der eigenen Ressourcennutzung für Pflanzen-, Tier- und Energieproduktion gegenüber den importierten Rohstoffen zu ziehen und den Gesamtenergiebedarf durch sinnvolle Prioritätensetzung zu senken.

Oben im Bild übrigens vom Grünen Ratschlag zum Thema die drei dynamischen Wolfgangs. Von rechts nach links: Wolfgang Schreiner, Vorsitzender der LAG Europa, Wolfgang Bayer, Referent von Agrecole e.V., und Wolfgang G. Wettach, Grüner Europakandidat (und Mitglied der LAGen Internationales und Europa).

Hier das Material vom Biomasse-Kongress im Januar. Wenn unser Reader vom Grünen Ratschlag zur Verfügung steht, werde ich ihn noch verlinken.

Erstellt am Montag, 21. April 2008
Kategorie: Deutsch | 1 Kommentar »

Wir sind das Volk – echt?

Otto Herz gab diese Losung (ohne den fragenden Nachsatz) am Samstag als “Gruss aus Leipzig” aus, von wo er früh um 5 Schuldemo - Bild: eisenrah/FlickRaufgebrochen war um an der grossen Landesweiten Demonstration von “Schule mit Zukunft” teilzunehmen, bei der ich, Vorsitzender des Landeselternrates LER, als Teilnehmer dabei war und mit den Abgeordneten Ilka Neuenhaus und Brigitte Lösch (beide MdL Grüne) und der SPD Landesvorsitzenden Ute Vogt zu stehen kam. (Randbemerkung: Ich wäre ja lieber Duzfreund von Ute Vogt als von Günter Oettinger, aber das heisst nicht dass ich mit einer Oettinger-CDU nicht arbeiten und mit seinem Minister Rau nicht Politik machen würde bei Gelegenheit.). Anlass dafür war in seiner flammenden Rede nicht nur die Menge der mehreren Tausend DemonstrantInnen auf dem Schlossplatz in Stuttgart, sondern auch die 58.000 gesammelten Unterschriften der Aktion und die Dringlichkeit der Lage. Er hoffe, dass dies ein Anfang sei einer Bewegung, die zu einer echten Wende im Schulwesen führen würde.
Ich selbst hatte ja keinen so langen Anreiseweg wie Otto Herz: Ich war ja zeitgleich als Mitglied der LAG Internationales der Grünen beim “Entwicklungspolitischen Ratschlag” zum Thema “Mais in den Tank oder Brot auf den Teller?“, wo ich (bei Nudeln auf dem Teller) mit Uschi Eid und Alex Bonde beim Essen war und mich für die Demo kurz absetzte. (Danke nochmal an das Verständnis dafür an die anderen Wolfgangs. Dieser Exkurs zur Bildung war aber wichtig und die vielen wenn auch meist kurzen Gespräche dazu gut.)

Erstellt am Sonntag, 20. April 2008
Kategorie: Deutsch | 2 Kommentare »

Bleinerne Zeit der Inneren Sicherheit…

Derzeit wird viel -wenn auch vielleicht noch nicht genug- über das neue BKA-Gesetz geredet, über die Einigung zwischen Überwachung Old Style - das waren noch ZeitenHerrn Schäuble und Frau Zypries – und natürlich heute auch über die abweichenden Vorhaben in extremistischen Innenministerien, die wieder einmal austesten wollen, wer die besten Verfassungsfeinde sind: Die zu Überwachenden oder doch die Überwacher selbst. Kameraüberwachung in der Wohnung sowieso, nicht nur bei Lidl (sondern auch bei Edeka und Plus), und wenn man schon mal dabei ist müssten doch die Beamten auch gleich ein paar Trojaner installieren können – oder? Solches Vorgehen, Einschüchterung mit Totalüberwachung ist schliesslich internationaler Standard bei totalitären Staaaten.

Vielleicht sollten wir uns darüber nochmal in Ruhe unterhalten: Vielleicht mit Herrn Vosskuhle? Vielleicht auf einen Kaffee im Cafe Balzac? Obwohl das ja vielleicht nicht mehr ganz so überwacht wird wie auch schon? Naja, vielleicht trotzdem lieber auf neutralem freiem Boden, zum Beispiel im Café der Freiheit in Wien. Oder eben auf einen Tee bei mir – ohne Bert den Biometriebär. Die Überwacher wären nicht die ersten. Da ich aber gerade keine Zeit für die alten Geschichten habe, hier nur noch der Link zum Pressespiegel und dem Grünen Beschluss zum Thema.

Erstellt am Freitag, 18. April 2008
Kategorie: Deutsch | 4 Kommentare »