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Nach Länderspiel #GERNED Absage: Mehr Bomben oder mehr Fussball?

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Mehr Fussball oder mehr Bomben? Was ist die richtige Antwort auf die Anschläge von Paris und die Absage des Fußball-Länderspiels Deutschland-Niederlande in Hannover gestern?

De Maiziere’s Antwort darauf würde die Deutschen verstören, deshalb ersparen wir sie uns.

Wie sind die Reaktionen im Netz?

“OOhhh Spiel abgesagt …. der IS hat keins Lust auf Fussball kucken …
Wann ist genug der Naivität ? Wann wird bitte der Militäretat verzehnfacht ?
Freiheit wird nicht mit Blumen sondern mit Gewalt erkämpft!”

Das schreibt einer meiner Facebook-Freunde, mit dem ich noch vor kurzem bei Tee und Bier zusammen sass. Ein anderer Facebook-Freund, den ich schon lange nicht mehr getroffen aber jüngst wieder gelesen habe, ein Autor mit Donald Duck statt Frankreich-Flagge im Profilbild, schreibt:

SIEG!!!

das fußballländerspiel zwischen deutschland und holland wurde überraschend vom islamischen staat gewonnen! DAS IST NICHT WITZIG! das “abendland” liegt in paralyse …

Andere schreiben, ergibt eine kurze Übersicht bei Facebook, noch deutlich radikaler, denn wenn jetzt schon ihr Fussballspiel abgesagt wird, ist mit dem Spass endgültig vorbei, dann sind als nächstes Weihnachtsmärkte, Karneval oder gar die Bundesliga dran:

Jetzt ist in meiner eigenen Stadt Hannover schon Bomben Alarm & das Länderspiel wird abgesagt! Kann mal einer diese IS Kreaturen über den Haufen schießen?

…schreibt Michi M.K. und Alexander H. antwortet passend: “Michi, hast Du ne Flinte? Dann schießen wir den Zauselbärten Ein Loch zwischen die Augen und schicken Sie zu Allah.Du lädst, ich schieße.” So stellt sich Gisela-Karina B. auch die angemessene Reaktion deutscher Sicherheitskräfte vor, wenn eine verdächtige Person bei einem Stadion gesichtet wird: Störer abschiessen statt Spiel absagen!

“Wenn irgend so ein Islamisten Drecksscweinin er Nähe gesehen wieso wird der nicht einfach und schnell mit einem gezielten Schuß zwischen die Augen ausser gefecht gesetzt. Das ist die einzig richtige Vorgehensweise! Aber da kommen ja wieder irgendwelche Gutmenschen daher dass so etwas nicht geht. Quatsch: Genickschuß und fertig.”

Und wer ist schuld an allem? Wenn man nicht gerade diejenigen fragt, die sich sorgen dass es nur darum geht, Stimmung für eine deutsche Kriegsbeteiligung im Nahen Osten zu machen – denen andere wiederum rasch die Bauanleitung für Aluhüte verlinken – ist die Antwort in Facebook eindeutig: Merkel, die Gutmenschen, die syrischen Flüchtlinge und vor allem Merkel die die syrischen Flüchtlinge mit Hilfe der Gutmenschen in unser Land erst reingeholt habe. Tom D. formuliert das so:

Zwecks Terrorangst Länderspiel der Deutschen abgesagt.Angela Merkel du alte Saudumme Kurva…ich würde sagen schön langsam reicht es..Die größte Gefahr ist ned IS oder sonst irgendwelche radikalen Gruppen sondern die Welcome Tussy aus Berlin…

Diese Reaktion überrascht genauso wenig wie die Mobilisierung der *gida und AfD-Anhängerinnen zu ihren nächsten Aufmärschen, sie erschreckt höchstens in ihrer Breite.

Was also tun? Mehr Bomben oder mehr Fussball?

Mehr Fussball hilft mehr als mehr Militär. Siehe zum Beispiel Fussball für globale Entwicklung (Gerne auch bei mir auszuleihen) Prävention und Völkerverständigung. Aber, so der Einwand, der fanatischen Terroristen wird man doch mit guten Worten nicht Herr, vor Ort ginge es doch auch nur mit Polizei und Gericht, die Ordnung zu halten?

Ich bin sehr für den Internationalen Strafgerichtshof ICC in Den Haag, weil ich überzeugt bin dass auch Kriegsverbrechen und Verstösse gegen das Völkerrecht nur rechtsstaatlich im Rahmen des Völkerrechts geahndet werden können. Nicht durch eigene Verstösse gegen das Völkerrecht (was war die Statistik der letzten US-Drohenangriffe? 47 “Zielpersonen” getötet, knapp 1100 Menschen dabei mitgetötet?)

Und wie schon nach den Aschlägen in Paris geschrieben: Ein massiver “Krieg gegen den Terror” ist schon in Irak und Afghanistan so massiv wie möglich gemacht worden, auch mit sechsstelliger Zahl von Soldaten am Boden plus fünfstelliger Zahl an privaten steuerfinanzierten Söldnern – Ergebnis: Ungeliebte Herrscher weg (Libyen, Irak) oder deutlich geschwächt (Syrien) – und der Terror von Al Quaida und ISIL füllt die Lücke und breitet sich aus.

Solange im NATO-Land Türkei, das den Kampf gegen den Terror mit den USA führt, auch diejenigen als Terroristen gelten, die Kurdengebiete in Syrien gegen den IS verteidigen, ebenso wie diejenigen die als kritische Journalisten darüber berichten, wie Erdogan den IS bisher unterstützt hat, solange Russland als Terroristen auch diejenigen bekämpft die vor allem ihren Verbündeten Assad bekämpfen, und die USA als Terroristen auch diejenigen bekämpft, die gegen Assads Gegner kämpfen… solange wird das nichts mit militärischem Kampf&Sieg – zumal der Terror keine Hauptstadt hat, die man nur erobern müsste um diesen Krieg zu gewinnen.

Mit dem Krieg gegen den Terror produziert man nur mehr Krieg, mehr Leid, mehr Zerstörung und mehr Flucht. Und eine Radikalisierung der Ausgegrenzten im eigenen Land.

Und wie löst man das Problem in Syrien?

Entweder natürlich gar nicht. Zum Beispiel mit mehr Bomben. Oder indem die EU die USA als unsere Verbündeten und die Russen als unsere Nachbarn dazu bringt, sich an einen Tisch zu setzen, an dem Erdogan als NATO-Mitglied zuschauen darf. Indem dort dann eine einvernehmliche Lösung statt eines Stellvertreterkrieges gesucht wird – unser Vorschlag wäre russische Sicherheitsgarantien, dh die Russen dürfen nicht nur ihre Militärbasen in Syrien behalten sondern sich auch eine neue Regierung auswählen – dafür darf die Familie Assad daran nicht mehr beteiligt sein,

Und dann müssen für die Verbündeten der EU (Türkei als NATO-Mitglied und EU-Beitrittskandidat) und der USA (Saudi-Arabien und Quatar) klarere Null-Toleranz-und Null-Unterstützungs-Regeln gegenüber den Bomben-Terroristen aufgestellt werden, gerne auch mit Votum des UN-Sicherheitsrats, in dem sich USA und Russland derzeit wegen Assad noch blockieren. Saudis und Türken müssen einsehen, dass Oppositionelle, Aleviten und Kurden nicht genauso schlimm oder schlimmer sind als der IS, der soweit geächtet werden muss, dass auch denen die ihn unterstützen die internationalen Konten eingefroren werden. Ohne Geld kein IS.

Und was ist mit den Flüchtlingen aus Syrien?

Schliesslich und endlich kommt dazu dass wir dem sogenannten Islamischen Staat nichts schlimmeres antun können als dass wir alle die vor ihm fliehen wollen bei uns in Europa und Amerika aufnehmen und ihnen eine Zukunft bieten, die der IS eben nicht bietet. ISIS bietet keine Zukunftsperspektive sondern nur ein mit Youtube Videos glorifiziertes Ende… Wenn es uns gelingt, Muslime in Europa und Amerika jetzt nicht auszugrenzen, entziehen wir den Terroristen den möglichen Nachwuchs.

Etwas mehr Realismus, etwas mehr Boris Palmer bitte?

Natürlich steckt ein wenig mehr Boris auch in mir: Ich denke nicht dass wir alle vor dem IS Flüchtenden in EU+Amerika aufnehmen können, eben weil die gesellschaftlichen Mehrheiten dafür fehlen.

Als theoretische Antwort auf die Frage: “Was können wir denn tun, um den IS-Terrorismus zu schwächen” ist es allerdings allemal realistischer als Bombenteppiche über islamische Länder bei gleichzeitiger Zurückweisung der aus diesen Ländern fliehenden Menschen ins Nirgendwo – oder zurück in den Bombenhagel den wir nach Meinung mancher mit deutschen Bombern unterstützen sollen. Und es wäre auch billiger als die Verzehnfachung unseres Militärhaushalts.

Also: Wahrscheinlicher sind mehr Bomben. Erfolgversprechender wäre mehr Fussball, gerne auch mit Flüchtlingen. (Am ungarischen Keleti-Bahnhof, wo syrische Flüchtlinge in grosser Zahl unter freiem Himmel ausharren mussten, habe ich im September auch mit ihnen und anderen Freiwilligen Ball gespielt. Spiel hilft, auch Ängste und Druck abzubauen, wie viele meiner Freunde, die selbst gerne spielen, wissen sollten. Und dann empfehle ich am Ende doch wieder das oben abgebildete Buch, das vom Tübinger Institut für Friedenspädagogik herausgegeben wurde.

Erstellt am Mittwoch, 18. November 2015
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“Peace for Paris” – Nicht “War on Islam”.

Peace for Paris

Gedanken zu #NousSommesParis#WeAreUnited – aber nicht im “War on Islam” der LePens oder im “War on Terror” mit militärischen Mitteln.

Wenn Leute die die selbe Religion haben wie Anders Breivik jetzt alle die die selbe Religion haben wie die Attentäter von Paris als Hintermänner darstellen entbehrt das nicht einer gewissen Ironie.

Die Gesinnungsgenossen Anders Breiviks rufen jetzt zum Kampf gegen den Islam vor der Haustür auf. Die Leugnungsmaschinerie in islamischen Staaten weist jede Mitverantwortung für die Anschläge von sich, auch wenn das eigene Land die Kämpfer des ISIS mit Geld, Waffen und anderen Hilfen unterstützt haben sollte. Die Leugnungsmaschinerie der Islamophoben hierzulande aber funktioniert so, dass vor Flüchtlingen gewarnt wird, als seien die zahlreichen Anschläge die wir seit der Ankunft so vieler Flüchtlinge in Deutschland haben, nicht rechter Terror deutscher Bürger, und hier eben nicht islamischer Herkunft,.

Es geht nicht darum zu sagen “Wir haben uns alle Lieb”, es geht darum, zu sagen: Wir stehen entschlossen gegen jeden Extremismus, gegen den der IS, Al Quaida und ihrer Unterstützer, gegen den der Antisemiten, auch gegen den der Antiislamisten, der Brandstifter in Deutschland und ihrer Unterstützer.

Es geht durchaus darum, gegen den Wahabismus und religiösen Faschismus zu stehen und ihren Unterstützenden in Saudi Arabien und durchaus auch Erdogans Umfeld jede Unterstützung zu entziehen. Saudi Arabien und die Türkei verstehen unter “Terroristen” eben nicht das Gleiche und bekämpfen nicht die gleichen Gegner wie wir.

Es geht aber auch darum, jetzt klar zu machen: “Krieg gegen den Terror” mit Bomben und Drohnen ist jetzt in Afghanistan und Irak über ein Dutzend Jahre, in Libyen und Syrien über viele Monate bereits “brutalstmöglich” und mit deutlichem Ergebnis versucht worden:

Der militärische Krieg gegen den Terror hat nur mehr Terrorismus gebracht und den sogenannten “Islamischen Staat” erst hervorgebracht. Mehr Krieg ist nicht die Lösung. Ein militärisch geführter Krieg gegen Nichtstaatliche Gegner wie Terroristen kann nie den Frieden bringen und hat das auch noch nie getan.

Was sonst? Die Europan Green Party EGP hat dazu bei ihrem heutigen #EDP23 Council in Lyon eine Erklärung verfasst. Die Kernaussage:

The best answer to terrorism is more democracy and openness, the Norwegian Prime Minister had said when his country witnessed the terrorist murders of many of its citizens. His words shall guide us in our reactions.

We will not abandon our shared values: Liberté, Egalité, Fraternité.

Erstellt am Samstag, 14. November 2015
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Grüne Wirtschaftspolitik: Niemals strangulierend, immer stimulierend

Gastbeitrag von Winfried Kretschmann

Foto: GotCredit. Creative Commons LizenzvertragDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Um das alte Versprechen vom Wohlstand für alle einzulösen, müssen Wirtschaftswachstum und Naturverbrauch entkoppelt werden. Das geht nur mit einem ökologischen Ordnungsrahmen für die Wirtschaft – und europaweit einheitlichen Standards für die digitale Ökonomie.

Die soziale Marktwirtschaft ist eine deutsche Erfolgsgeschichte. Sie ist nicht nur eine freiheitliche, sondern zugleich auch soziale Ordnung, die uns einen hohen Wohlstand ermöglicht hat. Ihre Grundprinzipien wie die Gewährleistung von Wettbewerb, der Schutz des Eigentums, die Vertragsfreiheit und der soziale Ausgleich tragen auch heute noch. Krisen wie die des Finanzmarkts sind nicht entstanden, weil die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft nicht mehr tragen würden, sondern vielmehr deshalb, weil ihnen nicht ausreichend Geltung verschafft wurde. Dabei denke ich zum Beispiel an das Prinzip der Einheit von Risiko und Haftung.

Das bedeutet allerdings nicht, dass es mit der „Restaurierung“ alter Ordnungsprinzipien und ihrer Durchsetzung gerade auch auf globaler Ebene schon getan wäre. Die Ordnung der offenen Gesellschaft muss auch selbst offen für grundlegende Veränderungen sein. Dies gilt in gesteigertem Maße für die unserer Gegenwart, einer Zeit großer Umbrüche, vielleicht sogar einer Epochenwende. Die ökologischen Grenzen unseres Planeten und die voranschreitende Digitalisierung und Vernetzung von Wirtschaft und Gesellschaft erfordern aus meiner Sicht eine grundlegende Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft.

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Erstellt am Mittwoch, 24. Juni 2015
Kategorie: Energie, Gastbeitrag, Umwelt | Kommentieren »

Was ist Grün? Was ist Links?

Was sind ‪#‎Grüne‬? Was ist Links? Gedanken der Ex- ‪#‎CDU‬-Wählerin Ulrike Guérot über ‪#‎Adorno‬ und mehr http://blogs.faz.net/…/adorno-liest-man-nicht-am-schwimmin…/

Erstellt am Donnerstag, 16. April 2015
Kategorie: Europa, Gastbeitrag | Kommentieren »

Grünen-Parteitag in Hamburg: Freiheit, Flucht und Frieden

Photo: Die #Grüne #BDK14 in #Hamburg: Freiheit, Flucht und Frieden als Debatte - und ich habe für #Europa geworben - und hoffe, dass diejenigen, die versprochen haben, der Europa-Union beizutreten, das auch tun - denn die kann noch viele starke Grüne brauchen, vor allem starke Frauen! / Danke an Martina Lammers, die das Foto gemacht hat.Es war wieder Bundesparteitag, oder wie wir sagen: Bundesdelegiertenkonferenz, die #BDK14 in Hamburg, mit grundlegenden Themen für GRÜNE Diskussionen, wie Freiheit, Flucht und Frieden – und das Futtern war am Samstag im Sinne nachhaltiger Ernährung mit mehr Tier- und mehr Verbraucherschutz sowie “Mehr Biss” auch Thema.

Ich war dabei, habe viele gute Gespräche geführt, für Europa geworben am erstmals auf einer Grünen BDK vertretenen Stand der Europa-Union Deutschland – in der alle Grünen Pro-Europäerinnen Mitglied sein sollen. Dass die 2,-€ Mindestbeitrag im Monat für Junge Europäische Föderalisten (JEF) kein Hinderungsgrund sein sollten, habe ich einem bekannten Mitglied der Grünen Jugend nachdrücklich und erfolgreich klar gemacht. Ich hoffe nun, dass die anderen, die die Absicht zum Beitritt erklärt haben, auch beitreten werden.

Ich habe aber nicht nur Gespräche geführt sondern auch, für WikiNews, die Nachrichtenagentur der Wikimedia, einen Artikel geschrieben. Diesen hier: Weiterlesen »

Erstellt am Montag, 24. November 2014
Kategorie: Deutsch, Frieden, GrüneBW, Partei, WikiNews | Kommentieren »